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Kostenloses Aktien-Trading kommt nach Europa

Die Challenger-Bank Revolut offeriert ihren Kunden, gratis Aktien zu handeln. Das sind für Banken keine guten News.

Pascal Meisser, London

Noch immer gehört der Aktienhandel zu den lukrativen Aktivitäten der Banken. Alleine für den Kauf oder Verkauf von Wertschriften können den Kunden Kosten in der Höhe von bis zu 3% des Transaktionsvolumens anfallen. Selbst die Automatisierung und Technologisierung dieses Bereichs in den vergangenen zwei Jahrzehnten noch der Eintritt von Günstiganbietern wie Swissquote (SQN 40.6 0.59%) haben daran etwas geändert.

Nun unternimmt ein Fintech-Unternehmen einen weiteren Anlauf, den Aktienhandel zu revolutionieren. Die britische Challenger-Bank Revolut (mehr dazu hier) hat heute Donnerstag angekündigt, kostenlos den Handel von Aktien zu ermöglichen. Vorerst ist das Angebot auf ihre zahlenden Metal-Kunden aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), dem die Schweiz nicht angehört, beschränkt. Gemäss Aussagen von Revolut ist aber geplant, dieses Angebot später auf alle Kunden, auch jene in der Schweiz, auszuweiten.

Vorreiter aus den USA

Die Idee, ein Gratis-Aktien-Trading anzubieten, ist nicht neu. In den USA offeriert das Fintech-Unternehmen Robinhood seit 2014 den kostenlosen Kauf und Verkauf von Wertschriften. Zunächst auf ETF beschränkt, können heute Kunden auch global Aktien handeln.

Robinhood finanziert sich dadurch, dass Kundenguthaben kurzfristig risikolos angelegt werden und dass Exklusivverträge mit Banken zur Durchführung der Aufträge abgeschlossen werden. Dies spült Robinhood als Broker pro Auftrag einige wenige Basispunkte der Gesamtsumme in die Kasse. Wie Revolut das neue Angebot finanziert, lässt sich aus der Ankündigung nicht herauslesen.

Dennoch: Diese Entwicklung werden die etablierten Banken, auch jene in der Schweiz, mit Interesse und gewisser Nervosität beobachten. Bislang profitierten vor allem die hiesigen Finanzinstitute davon, dass ihre Kunden kaum bereit waren, ihr Depot zu einem günstigeren Mitbewerber zu transferieren. Selbst wenn sich dabei teilweise Tausende von Franken pro Jahr sparen liessen, wie auch «Finanz und Wirtschaft» in einem Kostenvergleich aufzeigte.

Das liegt auch daran, dass Anlegern der Depotwechsel zu einer anderen Bank mit unverhältnismässig hohen Gebühren erschwert wird. Je nach Bank fallen pro Position Wechselgebühren von bis zu 200 Fr. an. Damit gelingt es den Banken, ihre Kunden bei sich zu halten.

Kaum wechselbereite Schweizer

Andererseits sind Schweizerinnen und Schweizer allgemein nicht bekannt für ihre Bereitschaft, den Anbieter ihres Vertrauens zu wechseln. Neben Swissquote sind in den vergangenen Jahren verschiedene Low-Cost-Anbieter auf den Markt gekommen, zuletzt auch die niederländische Degiro mit Tiefstgebühren. Allerdings ist es ihnen nicht gelungen, den breiten Markt für sich zu gewinnen.

Sie alle haben ein gemeinsames Problem: Sie wenden sich mit ihrem Angebot an traditionelle Anleger, welche die Reputation ihrer Bank über den reinen Kostenfaktor stellen.

Neue Fintech-Unternehmen wie Revolut dürften vor allem aus längerfristiger Sicht eine ganz andere Ausgangslage haben. Sie bieten ein umfassenderes Banking-Angebot und haben vor der Lancierung ihres Gratis-Trading-Angebots bereits Millionen von Bankkunden zu sich gelockt. Es ist gut möglich, dass die traditionellen Banken ihre hohen Gebühren noch einige Jahre aufrechterhalten können. Doch der Trend läuft nun auch in diesem Bereich in eine diametral andere Richtung.

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