Märkte / Makro

Fed hält am Fahrplan fest

Trotz wachsender Nervosität an den Finanzmärkten drosselt die US-Notenbank das Stimulusprogramm QE3 weiter auf 65 Mrd. $. Der Schritt wurde an der letzten Sitzung mit Ben Bernanke einstimmig beschlossen.

Das Federal Reserve lässt sich nicht so leicht von seinem Kurs abbringen. Das hat die amerikanische Notenbank am Mittwoch mit dem Entscheid demonstriert, die Wertschriftenkäufe im Rahmen des Stimulusprogramms QE3 um zusätzliche 10 auf 65 Mrd. $ pro Monat zu reduzieren.

Mit dem auch Tapering genannten Prozess senkt sie den Erwerb von lang laufenden US-Staatsanleihen ab Februar von 40 auf 35 Mrd. $. Parallel dazu wird der Kauf von verbrieften Hypothekarkrediten von 35 auf 30 Mrd. $ gesenkt. Das, nachdem das Fed bereits Mitte Dezember eine erste Drosslung von 85 auf 75 Mrd. $ beschlossen hatte.

Fed-Chef Ben Bernanke sagte damals, dass die US-Notenbank an jeder weiteren Sitzung einen solchen Schritt machen werde, solange sich die Konjunkturlage nicht gravierend ändere. Wie sich nach der Sitzung von dieser Woche zeigt, sind die US-Währungshüter für die US-Wirtschaft weiterhin vorsichtig optimistisch.

Das Wachstum habe sich «in den letzten Quartalen beschleunigt», halten sie im Communiqué fest. Auch hätten die «Konsumausgaben der Haushalte und die Investitionen der Unternehmen in den vergangenen Monaten schneller zugenommen», heisst es im Statement weiter. Zudem lasse die Belastung durch die Sparpolitik in Washington nach.

Nervosität an Wallstreet steigt

An den Aktienbörsen in New York sorgten die Nachrichten für erhöhte Kursschwankungen. So gab der  Dow Jones Industrial im Nachgang des Fed-Entscheids vorübergehend um mehr als 200 Punkte nach. Zu Börsenschluss notierte das Blue-Chip-Barometer 1,2% oder 190 Punkte tiefer auf 15738,79. Der S&P 500 gab 1% auf 1774,20 nach und schloss damit auf dem tiefsten Stand seit Mitte November.

Bereits zu Handelsbeginn dämpften die Verwerfungen an den Devisenmärkten in der Türkei, Russland, Indien und anderen Schwellenländern die Stimmung an Wallstreet. Am Bondmarkt sank die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen erstmals seit zwei Monaten unter 2,7%. Ende Dezember war sie auf über 3% geklettert.

Die steigende Nervosität an den Märkten wird im Communiqué der US-Notenbank mit keinem Wort erwähnt. Das zeigt, dass es mehr braucht als die gegenwärtigen Turbulenzen und einen schwachen Arbeitsmarktbericht, um das Fed vom Tapering abzubringen. Im Dezember hatte die US-Wirtschaft lediglich 74 000 Stellen geschaffen.

«Wie es scheint, läuft das Tapering derzeit auf Autopilot und dürfte jede Sitzung weitere 10 Mrd. $ umfassen», meint etwa Jim O’Sullivan US-Chefökonom des Researchdienstes High Frequency Economics. Im Herbst 2012 gestartet, wäre das dritte QE-Programm demnach diesen Oktober vollständig beendet.

Bye-bye Ben, hello Janet!

Dass die US-Notenbank nicht von ihrem Fahrplan abweichen will, wird unterstrichen dadurch, dass die Währungshüter den Beschluss, mit dem Tapering fortzufahren, einstimmig gefällt haben. Erstmals seit Juni 2011 herrschte damit an einer Sitzung des Federal Reserve vollständige Übereinkunft. Fed-Chef Bernanke erleichtert das den Abgang. Er hat sich stets um einen breiten Konsens bemüht und tritt diesen Freitag nach acht Jahren im Amt zurück.

Von der neuen Fed-Chefin Janet Yellen werden keine grösseren Kursänderungen erwartet. Als bisherige Vizepräsidentin der US-Notenbank war sie stets auf derselben Linie wie Bernanke und gilt in der Inflationsbekämpfung sogar als noch etwas milder als ihr Vorgänger.

Ihren ersten grossen Auftritt als Vorsteherin der mächtigsten Zentralbank der Welt hat Yellen am 20. Februar, wenn sie dem US-Kongress Auskunft über die Geldpolitik gibt. Danach wird sie am 18. und 19. März erstmals die Sitzung des Federal Reserve leiten und im Anschluss vor die Medien treten.

Zinsprognose bleibt unverändert

Besonders interessieren wird Investoren dann, was Yellen zur Zinspolitik sagt. Seit Ende 2008 hält das Federal Reserve den Leitzins auf nahezu null gedrückt und will erst eine Erhöhung ins Auge fassen, wenn die Arbeitslosenquote auf 6,5% fällt oder die Inflation auf 2,5% steigt.

Wie schon nach der Sitzung von Mitte Dezember liess es nun erneut durchblicken, dass es wohl noch geraume Zeit an der Nullzinspolitik festhalten werde, auch wenn die Arbeitslosenquote 6,5% erreiche. Am Markt wird derzeit für das dritte Quartal 2015 mit dem ersten Zinsschritt gerechnet. Nachdem die Arbeitslosenquote im Januar bereits auf 6,7% gesunken ist, muss Yellen in diesem Bereich aber bald mehr Klarheit schaffen.