Meinungen

Krisenliquidität

Nettoliquidität ist bei Betriebswirtschaftern verpönt. Unternehmern verschafft sie in Krisenzeiten den entscheidenden Erfolgsfaktor. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Andreas Meier.

«Der Konkurrenzkampf wird in Krisenzeiten entschieden.»

Unter Betriebswirtschaftern ist sie eher verpönt, langfristig orientierte Unternehmer setzen auf sie: die Nettoliquidität. Deren Wert entspricht dem Saldo der Bilanzposten Liquidität und Finanzschulden. Wer mehr flüssige Mittel hat als Schulden, gilt schnell einmal als schlechter Investor, weil er das vorhandene Kapital nicht konsequent der Fuchtel der Renditeoptimierung unterstellt. Liquide Mittel aber sind renditelos, Kapital liegt, so wird argumentiert, unnütz herum.

Immerhin etwa 40% der kotierten Schweizer Unternehmen (ohne Finanzinstitute, Immobilien-, Beteiligungs- und Start-up-Unternehmen) halten Nettoliquidität vor. Bei einzelnen Unternehmen ist das Pflicht, etwa wenn der Geschäftscharakter hochzyklisch ist. Bei andern stehen strategische Überlegungen im Vordergrund. Diese sind gerade auch für langfristig orientierte Anleger relevant. Im Konkurrenzkampf gewinnt, wer auf lange Sicht planen kann, ständig neue Produkte und Dienstleistungen anbietet und, statt mit den Banken zu zanken, auf die Kunden achten kann.

Eine gut dotierte Bilanz, auch mit Nettoliquidität, sichert das strategische Vorwärtskommen gerade in heiklen Krisenzeiten. Dann ist Stosskraft besonders wichtig, denn der Konkurrenzkampf wird in Krisenzeiten entschieden. Wer dann seinen Weg gehen kann, während andere mangels Finanzierung ihre Strategie kippen und ihre Investitionspläne eindampfen müssen, hat gewonnen und wird aus der Krise mit stärkeren Marktpositionen denn je hervorgehen. Das kommt auch den Aktionären zugute