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Krypto-Wertpapiere an der Schweizer Börse

An der SIX werden bereits siebzehn Anlageprodukte auf Bitcoin & Co. gehandelt. Einen börsengehandelten Fonds würde die Aufsicht aber wohl nicht zulassen.

Valentin Ade

Der Markt für Kryptowährungen befindet sich auf Talfahrt. Doch die Kryptogemeinde in der Schweiz bleibt optimistisch. Am Donnerstag wurde ein weiteres Produkt an der Schweizer Börse SIX lanciert, in das Privatanleger investieren können, wenn sie sich für Bitcoin & Co. interessieren. Insgesamt werden nun siebzehn Kryptoprodukte an der SIX gehandelt. Die ersten Schweizer Emittenten waren die Bank Vontobel (VONN 54.1 -0.46%) (2016) und der Derivatspezialist Leonteq (LEON 41.66 1.36%) (2017) mit Zertifikaten auf Bitcoin.

Am Donnerstag ist das sogenannte Amun Crypto Basket Index ETP hinzugekommen. Ein ETP (Exchange Traded Product) ist ein besichertes, unverzinstes Forderungsrecht, sprich eine Schuldverschreibung. Oft bildet ein ETP die Entwicklung eines einzigen Basiswerts ab, zumeist eines Rohstoffs wie Gold (Gold 1243.86 0.06%), Silber (Silber 14.6 0.21%) oder Platin (Platin 787.75 0.08%).

Das ETP des Zuger Krypto-Start-up Amun ist laut dem Gründer und CEO Hany Rashwan im Vergleich zu den anderen Krpytowertpapieren in zwei Punkten einzigartig. Es hat als Basiswert nicht eine einzige Kryptowährung, sondern einen von Amun selbst konstruierten Index aus den grössten vier: Bitcoin, Ethereum, Ripple, Litecoin. Zudem werden diese Kryptowährungen auch wirklich durch Amun gehalten, und zwar beim US-Treuhänder Kingdom Trust in einem sogenannten Cold Storage, einem Datenspeicher ohne Internetzugang.

Träume von der Kryptohandelsbörse

Rashwan hielt bei der Lancierungsveranstaltung an der SIX ein Plädoyer für Kryptowährungen als Vermögensanlage, auch für den Privatinvestor. Vor allem in Ländern mit instabiler, schwacher Währung wie seinem Herkunftsland Ägypten böten Kryptowährungen eine Alternative zur klassischen Schlechtwetteranlage Gold.

«Wir sind nach wie vor bullish», sagte Rashwan. Eine streitbare Aussage in einem Bärenmarkt, in dem sich die Kryptowährungen seit fast einem Jahr befinden. Über die momentane Talfahrt von Bitcoin & Co. hat mein Kollege Alexander Trentin vor kurzem geschrieben.

Wie die Kryptowährungen selbst sind auch die an sie geknüpften Anlageprodukte abgestürzt. Ende 2017 kletterten die Handelsvolumen der Produkte an der SIX so sprunghaft nach oben wie der Preis von Bitcoin. «Wir dachten, jetzt werden wir zur Kryptohandelsbörse», sagte André Buck am Donnerstag, er ist Verkaufschef der Schweizer Börse. Es blieb beim frommen Wunsch.

ETP führen ein Schattendasein

Dennoch ist die SIX nun um ein Krypto-ETP reicher. Dabei führen ETP in der Schweiz ein ziemliches Schattendasein, vor allem im Vergleich zu ETF (Exchange Traded Funds). ETF sind Anlagefonds, deren Anteile an der Börse gehandelt werden. Die meisten ETF sind passiv, sprich, das Fondsvermögen ist so investiert, dass die Wertentwicklung eines Index abgebildet wird, beispielsweise des Schweizer Aktienleitindex SMI (SMI 8727.27 0.14%).

An der Schweizer Börse verzeichneten ETF 2017 einen Umsatz von rund 120 Mrd. Fr. An der SIX gehandelt werden 1400 einzelne ETF, die vor allem in Aktien investieren. Die grössten ETF-Anbieter, die in der Schweiz rund zwei Drittel des Marktes ausmachen, sind UBS (UBSG 12.28 -0.81%) und iShares, eine Abteilung des weltgrössten Vermögensverwalters BlackRock (BLK 385.66 -1.93%).

Dagegen gibt es gerade einmal 73 ETP an der SIX, sie erzielten 2017 einen Umsatz von rund 800 Mio. Fr. Doch warum führen ETP in der Schweiz ein Schattendasein?

ETP werden vor allem verwendet, um an der Entwicklung eines einzigen Basiswerts zu partizipieren. Doch ETF dürfen das in der Schweiz auch – anders als in anderen Ländern. Dort muss ein Fonds zwingend diversifiziert sein, also in mehr als beispielsweise nur Gold investieren.

Zudem fallen ETF in der Schweiz unter das  Kollektivanlagengesetz (KAG) und müssen zwingend von der Finanzmarktaufischt (Finma) zugelassen werden. Sie tragen also den Stempel der Schweizer Aufsicht.

US-Aufsicht findet klare Worte

Und hier schliesst sich der Kreis zu Amun. Auch wenn sich die Finma wie immer nicht zu einzelnen Finanzdienstleistern und Anbietern äussert, dem Vernehmen nach hätte die Behörde Mühe, einen Krypto-ETF zuzulassen. Die US-Börsenaufsicht (SEC) hat diesen Sommer bereits Anträge von neun Bitcoin-ETF abgelehnt.

«Betrügerische und manipulative Handlungen und Praktiken» könnten nicht ausgeschlossen werden, teilte die SEC damals mit. «Die Widerstandsfähigkeit gegen Kursmanipulationen» sei aufgrund der geringen Kryptomarktgrösse nicht gegeben. Die Finma könnte wohl ähnlich argumentieren.

Unter anderem wegen des regulatorischen Umfelds setzt Amun auf ein Schweizer ETP, nachdem laut Rashwan er und sein Team auf sechs Kontinenten in 28 Ländern sondiert haben. «Viele Regulatoren haben uns abgewiesen», sagt Rashwan. Und so wird das Amun-ETP auch US-Investoren nicht zur Verfügung stehen, obwohl das Projekt Rashwans und seiner Mitgründerin Ophelia Synder einst in den USA seinen Anfang nahm.

Leser-Kommentare

Luzius Meisser 24.11.2018 - 15:20

Die SEC darf gerne einzelne ETFs ablehnen, wenn es gute Gründe dafür gibt. Aber Bitcoin-ETF generell abzulehnen halte ich für falsch. Es ist Sache des einzelnen Investors, zu entscheiden, in welche Anlageklassen er sein Geld investiert, und nicht die der Aufsichtsbehörden.