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Kudelski macht Hoffnung

Analyse | Der Sicherheitsspezialist kommt besser als erwartet durch das Pandemiejahr. Die Zukunftstauglichkeit des Geschäftsmodells bleibt ungewiss, die Aktien sind wenig attraktiv.

Ganz so schlimm, wie es hätte kommen, kam es nicht, im Gegenteil. Dank einer guten Leistung in der zweiten Jahreshälfte kann der TV-Verschlüsselungs- und IT-Sicherheitsspezialist das Coronajahr 2020 robust abschliessen. Die eingeleitete Gewinnerholung soll sich im laufenden Jahr fortsetzen und Umsatzwachstum wieder möglich sein. Auch auf eine bescheidene Dividende sollen die Aktionäre trotz Krise nicht verzichten müssen.

Dennoch ist das präsentierte Ergebnis nicht wirklich rosig. Der Umsatz verkleinerte sich ein Zehntel auf 742 Mio. $, der Verlust halbierte sich zwar, liegt mit rund 18 Mio. $ aber noch immer im roten Bereich. Gegenüber FuW relativiert Präsident und CEO André Kudelski (KUD 4.12 +0.86%) das Verlustgeschäft: «Der Nettogewinn-Break-even wurde 2020 hauptsächlich aus bilanztechnischen Gründen nicht erreicht. Es ist dieses Jahr sehr wahrscheinlich, dass wir ihn erreichen», sagt er.

Die Inhaberaktien reagierten am Donnerstag verhalten auf das Zahlenset. Seit Januar war bekannt, dass Kudelski das Betriebsgewinnziel übertreffen würde. Die Gewinnerwartung auf Stufe Ebitda war im August jedoch bereits von 70 bis 90 Mio. $ auf 45 bis 55 deutlich gesenkt worden. Dennoch konnten die Aktien seit Anfang Jahr 46% zulegen und gehören bislang zu den Top-Performern im SPI (SXGE 14'298.56 +0.23%).

Nicht nur Aufholbewegung

André Kudelski gibt sich weiter zuversichtlich und geht von einer positiven Entwicklung aus: «Wir gehen nicht von einer markanten Veränderung des Umfelds aus, dennoch sehen wir dieses Jahr Wachstum», sagt er. Es handle sich indes nicht lediglich um eine Aufholbewegung. Kudelski macht vielmehr strukturelles Wachstum in allen Geschäftsbereichen als Folge der Transformation, die vor bald fünf Jahren eingeleitet wurde, aus.

Operativ konnte sich das Lausanner Unternehmen mit zweiter Zentrale in Phoenix (USA) im zweiten Semester in allen vier Geschäftssparten deutlich verbessern. Im Stammgeschäft und grössten Bereich Digital TV, der Verschlüsselungslösungen für Pay-TV-Anbieter verkauft, verbesserte sich der Ebitda um knapp 59%. In der schwer von der Pandemie getroffenen Sparte Public Access, die Zugangstechnik für Parkhäuser und Skianlagen anbietet, verdoppelte er sich fast.

Und im IT-Sicherheitsgeschäft, das bislang hauptsächlich Mittel verschlang, wuchs der Umsatz ein Fünftel, während sich der Betriebsverlust reduzierte. Besonders in Europa läuft es rund. «In der Schweiz wuchs unser Geschäft signifikant dank unserem Cybersecurity-Angebot», sagt Kudelski. Auch das neue Geschäftsfeld für IoT-Dienstleistungen wäscht weiter rasant, aber auf sehr kleiner Basis.

Wieder viel Cash

Besonders Public Access leidet weiter unter dem Covid-Schock, während sich die anderen Bereiche als widerstandsfähig erwiesen. Deshalb sollen bei Public Access weiterhin Sparmassnahmen helfen, die Profitabilität zu verbessern. Ein weiterer Lichtblick ist der operative Cashflow, der sich auf rund 123 Mio. $ versechsfacht hat und Kudelski vor Liquiditätsengpässen bewahrt. «Die stark verbesserte Cashflow-Situation ist auf interne Massnahmen aufgrund der Transformation zurückzuführen», kommentiert André Kudelski den Geldsegen, der zu einer Verdoppelung des Cash-Bestands geführt hat.

Diese Mittel sind ein Sicherheitspolster und sollen nicht gleich wieder investiert werden. «Zurzeit brauchen wir keine grossen Investitionen, um das Wachstum organisch voranzutreiben. Akquisitionen geniessen derzeit keine Priorität», sagt Kudelski. Die verbesserte Gewinn- und Cashflow-Situation kommt auch der Dividende zugute, die 0.10 Fr. pro Titel betragen soll, wobei die Hälfte steuerfrei ausgezahlt wird. Das entspricht einer aktuellen Rendite von rund 2%.

Jahrelanger Prozess

Auch wenn Kudelski wegen der Gewinn-Vorankündigung im Januar keine Überraschungen parat hatte, ist das Zahlenset angesichts von Restrukturierung und Pandemiejahr positiv zu werten. Der finanzielle Turnaround dürfte sich 2021 materialisieren und das Unternehmen sich nach jahrelanger Transformation und Schrumpfung endlich stabilisieren. Doch die jüngsten, starken Avancen der Aktien nehmen bereits vieles vorweg. Damit die Aktien langfristiges Potenzial entwickeln, muss Kudelski die Abhängigkeit vom Stammgeschäft Digital TV weiter reduzieren. Dieser Prozess dürfte sich über Jahre hinziehen und nimmt den Aktien langfristig ihren Reiz.

Die komplette Historie zu Kudelski finden Sie hier.»