Manchmal ist es mit der Börse wie mit dem Schlüssel, der da sein müsste, trotzdem aber an einem anderen Ort zu finden ist. Es herrscht eine Vorstellung vor, die sich festsetzt und schliesslich den Blick auf die Wahrheit verschleiert. Weshalb wurde zuletzt nur noch über die Kursrally berichtet und nirgendwo erwähnt, dass das mittelfristige Aufwärtsmomentum schon im Dezember praktisch zum Erliegen gekommen war?

Mitte Oktober wurde hier die Konstellation von Kühne + Nagel analysiert. Nach Bewertung der Kursstrukturen kamen wir zum Schluss, dass das Ende des Aufwärtstrends bevorsteht. Was danach kommt, war damals noch unklar. Weil alles andere als ein Aufwärtstrend aber eine schlechtere Perspektive ist, sind Handlungsanweisungen nach dieser Erkenntnis eigentlich überflüssig.

Schlüsseleffekt bei Kühne

Das über die vergangenen vier Monate ausgebildete Kursmuster hat korrektiven Charakter. Dabei blieb möglicherweise vielen Investoren bis Ende Januar verborgen, dass sich Kühne + Nagel (KNIN 151.2 -0.53%) nicht mehr im Aufwärtstrend befinden. Irgendwann greift dann der Schlüsseleffekt, und bei der Suche nach der neuen Wahrheit kommt es zur Panik.

Die faktisch schon länger laufende Korrektur steht kurz vor ihrem Ende, denn das dafür charakteristische dreiteilige Muster hat inzwischen seine zu erwartende Ausdehnung erreicht. Möglich ist, dass es nochmals zu einem Sell-off kommt, in dessen Rahmen der Titel bei ca. 151 zu haben ist. Doch gerade die letzte Woche hat gezeigt, dass solche Niveaus nur sehr kurzzeitig zu halten sind. Das ist ein Handlungssignal dafür, dass nun schleunigst an einer Kaufstrategie zu arbeiten ist.

Bei Roche sind Käufer aktiv

Ist es wirklich möglich, dass sich der Wert von Roche (ROG 224.55 0.25%) innerhalb von zwei Monaten um 10% verringert hat? Am 20. November erschienen haufenweise Studien, die Kaufgründe aufzuzählen wussten. Waren die Kurse damals schon zu hoch, die Argumente also unbegründet, oder gelten sie jetzt nicht mehr? Das Problem mit der Inkonsistenz solcher Gründe ist offensichtlich. Aber wahrscheinlich gibt es ohnehin zu jedem Zeitpunkt mindestens einen Kauf- und einen Verkaufsgrund, sonst würde ja kein Handel zustande kommen. Gründe interessieren mich deshalb nicht. Ich will wissen, ob die Käufer oder die Verkäufer am längeren Hebel sitzen, was sich mit markttechnischen Mitteln herausfinden lässt.

Bei Roche sind zurzeit die Käufer am Drücker. Sie haben das Geld, gegen das andere ihre Titel gerne tauschen möchten, und sie bestimmen deshalb im Moment noch den Preis, zu dem das geschieht. In der Ferne zeichnet sich jedoch der nächste Wechsel ab. Meine Modelle zeigen, dass Discountpreise um 210 möglich sind, tiefere Kurse kann der Investor im Moment aber wohl nicht erwarten.

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