Meinungen

Künstliche Intelligenz ist keine Wunderlösung

Der Fondsmanager der Zukunft könnte ein Computer sein. Doch künstliche Intelligenz ist keine Performancegarantie. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Selbst wenn ein Modell momentan gut funktioniert, könnte sich das Verhalten des Finanzmarkts jederzeit ändern.»

Künstliche Intelligenz (KI) ist keine Magie, kein Allheilmittel, und es gibt auch keine Garantie, dass ein Fonds damit mehr Performance erzielt. Es sind Methoden, die in bestimmten Bereichen beeindruckende Resultate erzielen, dank Fortschritten der Leistungsfähigkeit von Computern. Für Übersetzungen, Bilderkennung und Sprachverarbeitung sind die Vorteile nicht wegzudiskutieren. Beim Finanzmarkt ist die Sache für mich nicht so klar.

Der Nutzen jeder Technologie hängt von der korrekten Anwendung ab. Heftet ein Fondsanbieter einfach nur das Etikett «künstliche Intelligenz» an sein Produkt, dann heisst das noch nicht viel. Es gibt Tausende von Möglichkeiten, was dahinter stecken könnte.

Auch sind «Beweise» für den Zusatznutzen bei neuen Produkten mit Vorsicht zu geniessen. Bei der Rückrechnung der Rendite eines Modells hat das System typischerweise perfekt funktioniert. Für die Zukunft sagt das aber wenig aus. Das «Overfitting» ist ein bekanntes Problem der Statistik: Ein komplexes Modell passt auf die vorhandenen Daten äusserst gut, bietet jedoch wenig Nutzen, wenn neue Daten hinzukommen.

Am wichtigsten scheint mir aber die Eigenheit des Finanzmarkts zu sein, dass man als Anleger in Konkurrenz zu den anderen Marktteilnehmern steht. Selbst wenn ein Modell momentan gut funktioniert, also aus den vorhanden Daten die richtigen Schlüsse zieht, könnte sich das Verhalten des Finanzmarkts jederzeit ändern.

Wenn eine Methode eine äusserst gute Performance ohne höheres Risiko erzielt, dann wird das der Konkurrenz nicht verborgen bleiben. Mehr Marktteilnehmer werden darauf setzen, die Renditevorteile könnten mit der Zeit verschwinden. Das gilt für alle Investmentansätze, und KI-Methoden sind davor grundsätzlich nicht gefeit.

Bei aller Kritik: Komplexe Systeme zur Datenverarbeitung und für automatische Anlageentscheide werden im Fondsmanagement immer weiter Verbreitung finden. Denn gerade wenn ein Investor eine Methode findet, die eine bessere Performance verspricht, wird das die Konkurrenz unter Druck setzen: Sie muss auf den Zug aufspringen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Der Finanzmarkt ist geprägt von hohem Wettbewerbsdruck, technischer Aufrüstung und Experimentierfreude. Das fördert die Verbreitung von künstlicher Intelligenz – Anleger werden sich mehr damit beschäftigen müssen.

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