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Abkopplung von China wird den USA schaden

Die Beziehungen zwischen den USA und China brechen zusammen. Die wirtschaftliche Trennung ist sichtbar, die kulturelle könnte kommen. Ein Kommentar von Minxin Pei.

Minxin Pei
«Kulturelle, pädagogische und journalistische Verbindungen zwischen den USA und China zu kappen, ist für Amerika unklug und kontraproduktiv.»

Die Abkopplung ist für das geopolitische Duell zwischen den USA und China von zentraler Bedeutung. Diese Strategie, die von den Falken in US-Präsident Donald Trumps Regierung erdacht und gefördert wurde, ist heute das Hauptwerkzeug Amerikas, um die chinesische Macht zu schwächen.

Durch den ersten Akt der Abkopplung – den sino-amerikanischen Handelskrieg, der 2018 begonnen hat – wurde der bilaterale Handel erheblich verringert. Ein ähnlicher Prozess findet nun im Technologiesektor statt. Die USA führen eine unerbittliche Kampagne gegen chinesische Technologiegiganten wie Huawei und ByteDance (den Eigentümer der Video-App TikTok). Mit der Drohung der Trump-Regierung, chinesische Gesellschaften von den US-Börsen auszuschliessen, wenn sie den amerikanischen Prüfern keinen Zugriff auf ihre Buchführung in China gewähren, hat auch die finanzielle Abkopplung bereits begonnen.

Obwohl es abzuwarten bleibt, ob China durch die wirtschaftliche Abkopplung in Schach gehalten werden kann, klingt zumindest die strategische Logik dahinter bestechend: Da China von seinen wirtschaftlichen Verbindungen zu den USA profitiert, wird ihre Trennung das chinesische Wachstum unweigerlich schwächen.

Rauswurf von Journalisten

Leider sind die Washingtoner Falken damit noch nicht zufrieden und wollen auch Amerikas kulturelle und pädagogische Verbindungen zu China kappen – wie ihre jüngsten Aktionen zeigen. Anfang des Jahres zwang der Druck republikanischer Gesetzgeber das Peace Corps, das seit 1993 über 1’300 Amerikaner nach China gesandt hatte, sein Programm im Land zu beenden. Im Juli brach Trump das Fulbright-Programm in Festlandchina und Hongkong ab, als Teil der Sanktionen gegen die neuen Sicherheitsgesetze der chinesischen Regierung in der Stadt.

Ende Mai schlugen zwei republikanische Politiker ein Gesetz vor, um chinesische Staatsangehörige daran zu hindern, in den USA sogenannte Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu studieren. Am 13. August erklärte das amerikanische Aussenministerium das Confucius Institute US Center, eine von der chinesischen Regierung unterstützte Institution, die Sprachprogramme anbietet, zur «ausländischen Mission», was mit ziemlicher Sicherheit zum Ende ihrer Aktivitäten in den USA führen wird.

Die schnellste Abkopplung erlitt der Journalismus. Nachdem das «Wall Street Journal» Anfang Februar einen Kommentar veröffentlicht hatte, dessen Überschrift China als den «wirklich kranken Mann in Asien» bezeichnete, verwies Peking drei Journalisten der Zeitung des Landes. Die USA revanchierten sich Anfang März, indem sie sechzig chinesische Bürger, die für staatseigene chinesische Medienbetriebe in Amerika arbeiteten, zwangen, das Land zu verlassen. Daraufhin verwies China alle US-Bürger, die für die «New York Times», das «Wall Street Journal» und die «Washington Post» tätig waren, des Landes – und blockierte damit letztlich die Möglichkeit dieser Publikationen, aus China zu berichten.

Unilaterale ideologische Abrüstung der USA

Kulturelle, pädagogische und journalistische Verbindungen zwischen den USA und China zu kappen, ist für Amerika unklug und kontraproduktiv. Statt durch die Propagierung amerikanischer Werte langfristige strategische Ziele zu verfolgen und weiterhin moralisch die Oberhand zu behalten, spielt die Trump-Regierung der chinesischen Regierung in die Hände, die diese Verbindungen als Mittel ideologischer und kultureller Infiltration durch die USA betrachtet.

Ohne von der Regierung geförderte Austauschprogramme wie Fulbright oder das Peace Corps haben die USA keine direkten Kanäle mehr, um die normalen chinesischen Bürger zu erreichen, besonders die Jugendlichen. Über diese Programme lehren Amerikaner Englisch, amerikanische Geschichte und Literatur sowie westliche Sozialwissenschaften, häufig in abgelegenen Gebieten Chinas, die kaum Kontakt mit der Aussenwelt haben.

Solche Aktivitäten helfen dem chinesischen Volk, ein besseres Verständnis für die USA zu erhalten, und tragen dazu bei, offizielle antiamerikanische Propaganda zu neutralisieren. Diese Programme zu beenden, läuft somit auf eine unilaterale ideologische Abrüstung der USA hinaus.

Verlust an chinesischen Studenten

Eine gewisse Revanche der USA gegen die chinesische Unterdrückung amerikanischer Journalisten scheint vernünftig. Aber die unangemessene Ausweisung von sechzig chinesischen Journalisten durch die Trump-Regierung gab der Regierung in China einen Vorwand dafür, etwas zu tun, was sie schon lange plante: die besten amerikanischen Reporter rauszuwerfen.

Die massenhaften gegenseitigen Ausweisungen amerikanischer und chinesischer Journalisten werden Amerika viel mehr schaden als China. Während Reporter staatlicher chinesischer Nachrichtenmedien in den USA kaum seriöse und unabhängige Berichterstattung zur Aufklärung der chinesischen Öffentlichkeit leisten, stellen amerikanische Journalisten in China – trotz ständiger Schikanen und Überwachung durch die chinesische Regierung – unschätzbar wertvolle Informationen über das Land zur Verfügung. Ohne diese Kanäle sind die US-Politiker nicht mehr in der Lage, entscheidende Entwicklungen in China nachzuverfolgen.

Schliessen die Amerikaner auch noch chinesische Studenten von Mint-Fächern in den USA aus, wird das Amerika auf diesem Gebiet enorme Talente kosten und den Fortschritt Chinas fördern. Begabte Chinesen werden zum Studieren in andere Industriestaaten gehen, und viele von ihnen werden dann nach Hause zurückkehren, weil die Karrieremöglichkeiten in Mint-Fächern ausserhalb der USA nicht so gut sind.

Vor einer Tragödie

Während China von diesem ungekehrten Brain Drain profitiert, werden die USA auf die Beiträge Zehntausender Ingenieure und Wissenschaftler verzichten müssen. Von den 31’052 Doktortiteln in allen Mint-Fächern in den USA zwischen 2015 und 2017 entfielen 16% auf chinesische Studenten, darunter 22% bei den Ingenieuren und 25% bei den Mathematikern. Darüber hinaus bleiben etwa 90% der chinesischen Studenten im Wissenschafts- und Ingenieurbereich nach dem Ende ihres Doktorats für mindestens zehn Jahre in den USA, der höchste Anteil unter allen Nationalitäten.

Die Beziehungen zwischen den USA und China stehen kurz vor dem Zusammenbruch. Die wirtschaftliche Abkopplung ist bereits sichtbar, und auch die von den USA ausgehende kulturelle Trennung – die vor noch nicht allzu langer Zeit undenkbar gewesen wäre – könnte Wirklichkeit werden. Dies wäre eine Tragödie, und Amerika wäre der grösste Verlierer.

Copyright: Project Syndicate.