Verweile doch, du bist so schön – so spricht Doktor Faust. Der Anblick des australischen Parlamentsgebäudes, in nächtlicher Beleuchtung, lädt in Goethes Sinn zu ausgiebiger Betrachtung ein. Doch in Canberra ist Eile an der Tagesordnung, nicht Weile. In den vergangenen zehn Jahren hatte «Down Under» fünf Regierungschefs; man kann sich im fernen Europa die Namen gar nicht mehr merken. Soeben ist nach drei Amtsjahren Premier Malcolm Turnbull gestürzt worden, nun regiert «Parteifreund» Scott Morrison. Wohl eher nicht für lange. In Australien wird alle drei Jahre gewählt; sobald die Meinungsumfragen einem Premier (im Westminster-System eben nicht vom Volk gewählt, sondern bloss Chef der grössten Partei oder Koalition) sinkende Beliebtheitswerte attestieren, beginnt es in der regierenden Fraktion zu rumoren. Am Ende steht die Palastrevolte, weil den Parlamentariern die eigene Wiederwahl wichtiger ist als das Wohl der Nation. Diese Attitüde ist kein australisches Privileg, doch ein auffällig krasses Beispiel für die strukturell bedingte Kurzatmigkeit in so mancher westlicher Demokratie. Das Staatsoberhaupt ist standfester: Königin Elisabeth II. hat es jetzt mit ihrem 15. australischen Premier zu tun.