Meinungen

Kurze Beine

An geopolitischen Brandherden mangelt es derzeit nicht. Doch der Einfluss auf die Börsen ist gering. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Sylvia Walter.

«Geopolitische Ereignisse sorgen selten für eine starke und nachhaltige Korrektur an den Börsen.»

Lügen haben sie, die kurzen Beine. Und politische Börsen ebenso, heisst es. Wenn Drohgebärden rund um geopolitische Konflikte sich als Lügen erweisen, dann schrumpft die Länge der Beine, sprich: die Korrektur an den Finanzmärkten, noch mehr. Denn wer nur droht und dann nicht umsetzt, der wird nicht ernst genommen. Und die Finanzmärkte nehmen ihren Pfad wieder auf, als wäre nichts geschehen. Zumindest sind das die Lehren aus der Vergangenheit.

Mit wenigen Ausnahmen hat sich das reine Risiko eines ausgewachsenen Konflikts als schädlicher für die Börsen erwiesen denn der tatsächliche Vollzug. Denn Finanzmärkte hassen Unsicherheit. Nervosität bremst den Risikoappetit und führt potenziell zu Gewinnmitnahmen. Neben der Virusunsicherheit mangelt es aktuell tatsächlich nicht an Gefahren durch politische Brandherde.

Selbstverständlich macht es für die Märkte einen grossen Unterschied, ob sich politische Risiken in der grössten Volkswirtschaft, den USA, weiter manifestieren und die dortige Demokratie bröckelt oder ob es am Balkan erneut zu Abspaltungsbestrebungen kommt. Selbst die Zwistigkeiten zwischen China und den USA haben in der Vergangenheit kaum zu grösseren Korrekturen an den Börsen geführt. Die Kurse erholen sich dann auch ebenso rasch.

An der Börse auf politische Winkelzüge zu spekulieren, ergibt wenig Sinn. Anleger sollten angesichts vieler Gefahrenherde rund um den Globus zwar aufmerksam bleiben, aber auch ruhig Blut bewahren. Ein Segen ist es vermutlich, dass der breiten Öffentlichkeit nicht bewusst ist, wie viel Geopolitik in den unendlichen Weiten des Cyberspace betrieben wird.

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