Von wegen «An der schönen blauen Donau»: Zum gegenwärtigen Geschehen in Österreich passt kein gemütvoller Walzer. Eher schon die – freilich auch heitere – Schnellpolka «Unter Donner und Blitz» (beide Weisen stammen von Johann Strauss, 1825–1899, dessen Ebenbild im Wiener Stadtpark posthum nachfiedelt). Bundeskanzler Sebastian Kurz ist im jugendfrischen Alter von 35 Jahren bereits zum zweiten Mal gestürzt, wird jedoch auf dem politischen Parkett weiterwirbeln, egal, wer unter ihm Kanzler ist. Aus schweizerischer Sicht regt just jetzt zum Nachdenken an, dass die Causa Kurz wesentlich mit der komfortablen Stallfütterung der Presse durch die Regierung zu tun hat: Soll man die beim Nachbarn offenkundig fatal wirkenden Fehlanreize ernsthaft hierzulande installieren? Schlawiner gibt es gewiss in Wien, womöglich aber auch in Bern. Wie hätte der grosse Kabarettist Helmut Qualtinger den Fall Kurz quittiert? Vielleicht im Rückgriff auf seine berühmteste Figur, den «Herrn Karl»: «Ich mein’, nicht dass ich blind wär’ gegen die Fehler der Regierung … i war ja immer kritisch. Ich hab immer alles durchschaut … auch a Regierungsmitglied, wann i mir’s so anschau … der ist net anders wie i. Und i kenn mi.»(Bild: Getty Images)