Was macht eigentlich…

Kweku Adoboli, Ex-UBS-Trader

Der ehemalige UBS-Händler Kweku Adoboli wurde im September 2011 als «Rogue ­Trader» weltweit bekannt.

Auf den ersten Blick ist er kaum wieder­zuerkennen. Aus dem jungen Mann mit dem unschuldigen Schulbubengesicht von damals ist ein gereifter Mann mit Vollbart geworden, der diesen Monat seinen vierzigsten Geburtstag feiert. Doch nicht nur äusserlich hat er sich geändert. Er zeigt sich selbstbewusst und erzählt öffentlich an Konferenzen seine Lebens­geschichte, natürlich stark gefärbt von der eigenen Perspektive. Wie er vor fast dreissig Jahren nach London kam, nach dem Studium bei UBS als Praktikant anfing und sich über die Jahre bis zum Trader am Desk für kotierte Indexfonds (ETF) hocharbeitete. Bis zu dem Tag, an dem Kweku Adoboli weltweit als «Rogue Trader», als Schurkenhändler, bekannt wurde. Er sei von der Bank dazu getrieben worden, wie er heute noch behauptet.  

Man schrieb den 15. September 2011, als Adoboli an seinem Arbeitsplatz in der Londoner City verhaftet wurde. Gleichzeitig wurde bekannt, dass er mit illegalen Handelsgeschäften UBS einen Verlust von 2,3 Mrd. $ verursacht hatte. Es war bislang der grösste Betrugsfall nicht nur in der ­Geschichte der Schweizer Bank, sondern auch des Landes. Neun Tage später übernahm CEO Oswald Grübel die Verant­wortung für den Fall und trat zurück. Nachfolger wurde Sergio Ermotti.

Adoboli wurde zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, wobei er nach Verbüssung der Hälfte wegen guter Führung vorzeitig entlassen wurde. Weitere zwei Jahre verbrachte er damit, gegen den Landesverweis anzukämpfen. Obschon er den grössten Teil seines Lebens in London ­verbracht hatte, strebte der gebürtige Ghanaer nie den britischen Pass an. Das wurde ihm zum Verhängnis. Mit der Haftstrafe verspielte er sein Aufenthaltsrecht im Vereinigten Königreich. Nach mehreren vergeblichen Anläufen mit der Hilfe von britischen Politikern, im Land bleiben zu dürfen, wurde er schliesslich vor eineinhalb Jahren in sein Geburtsland ge­flogen, wo er gerade mal seine ersten vier Lebensjahre verbracht hatte.

Heute lebt der Sohn eines Diplomaten der Vereinten Nationen wieder dort, wo er letztmals den westafrikanischen Boden verliess: In der Hafenstadt Tema, wenige Kilometer ausserhalb der Millionenhauptstadt Accra, von wo aus er ein neues Leben nach dem Skandal aufbauen will.

Zwar erhielt Adoboli nach der Verurteilung ein lebenslanges Berufsverbot in der Finanzbranche. Da es aber nur für Grossbritannien gilt, strebt er nun in seinem Heimatland die Rückkehr in diesen Bereich an. Er will in Westafrika den Markt für hypothekenbesicherte Obligationen ankurbeln. Damit soll der Weg geebnet werden, um in Ghana einen funktionierenden Hausfinanzierungsmarkt zu schaffen, wie er jüngst in einem Bloomberg-­Interview gesagt hat. Bislang würden Einheimische mit ihren Ersparnissen erst Land kaufen, um sich allmählich ein Haus zu bauen, ohne sich jemals zu verschulden. Derzeit fehlen landesweit mehrere Millionen Wohnungen für die kontinuierlich wachsende Mittelschicht.

Im Mai wollte Adoboli eine lokale Hypothekenvermittlungsplattform auf den Markt bringen, um Hausbauer und Banken einander näherzubringen. Gerne hätte «Finanz und Wirtschaft» von ihm in Erfahrung gebracht, ob er trotz Coronapandemie an seinem Zeitplan festhalten kann. Eine entsprechende Anfrage liess er unbeantwortet.

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