Was macht eigentlich…

Ruth Metzler, Alt-Bundesrätin

Nach ihrer Abwahl schreitet Ruth Metzler, kritisch ­beäugt, zum Rednerpult.

Es ist ein historischer Tag: Am 10. Dezember 2003 tritt die Bundesversammlung zur Gesamterneuerungswahl des Bundesrats zusammen. Nach dem Wahlsieg der SVP in den Wahlen im Herbst wird die CVP einen Bundesratssitz an die SVP abgeben müssen – zumal diese mit ihrem Schlachtross Christoph Blocher antritt.

Über die Klinge springen muss aus­gerechnet die junge und unverbrauchte Ruth Metzler – sie zählt gerade einmal 39 Lenze. Ihre Partei, die CVP, lässt sie im ­Regen stehen. Zudem unterstützt auch die SP den farblosen Joseph Deiss, den sie ihren Positionen näher wähnt. Die Abwahl einer jungen Frau fällt den Genossinnen und Genossen erstaunlich leicht.

Metzler, die das Justizdepartement mehr als viereinhalb Jahre lang ohne Fehl und Tadel geführt hat, trägt die Niederlage mit Fassung. In ihrem Abschiedsstatement zeigt sie menschliche und politische Grösse und verlässt den Saal erhobenen Hauptes unter dem Applaus der Bundesversammlung, die sie eben abgewählt hat. Damit verlässt sie auch die Politik.

Wenige Monate später wird sie noch einmal von der breiten Bevölkerung wahrgenommen: Metzler veröffentlicht ihr Buch «Grissini und Alpenbitter», in dem sie ihre Zeit als Bundesrätin Revue passieren lässt. Sie sagt heute zu diesem Buch, sie habe das Bedürfnis gehabt, ihre Amtszeit so aufzuarbeiten und festzuhalten.

Metzler blickt ohne Groll auf ihre Abwahl und denkt gerne an ihre Amtszeit ­zurück. Obwohl sie kurz darauf einen Lehrauftrag an der HSG erhielt, entpuppte sich die Rückkehr in einen normalen Beruf als nicht einfach. Sie bringt das Problem auf den Punkt: «Ich konnte mir vorstellen, wieder einen Chef zu haben – aber nicht jeder konnte sich vorstellen, Chef einer ehemaligen Bundesrätin zu sein.»

Nach einem mehrjährigen Engagement für den Pharmakonzern Novartis gründete Metzler 2010 mit Partnern eine Beratungsgemeinschaft. Anfang dieses Jahres ist sie dort ausgestiegen und konzentriert sich nun auf ihre Verwaltungsratsmandate. So sitzt sie etwa seit zehn Jahren im VR des Technologiekonzerns Bühler und ist Vizepräsidentin von Axa Schweiz.

Neben weiteren Mandaten präsidiert sie zudem die Stiftung der päpstlichen Schweizergarde im Vatikan. Die Antwort auf die Frage, was sie daran reizt, ist ebenso klar wie lapidar: «Ich bin ein Fan der Schweizergarde.» Die Tradition und die Botschafterrolle der Garde für die Schweiz sind ihr ein Anliegen. Die Stiftung unterstützt die Gardisten und ihre Familien finanziell, zum Beispiel im Bereich der Sozialversicherungen und der Schulgelder für die Kinder, und setzt sich für die Rekrutierung der Gardisten sowie ihre Aus- und Weiterbildung ein.

Metzler nimmt aktuell zwei neue Projekte in Angriff, darum tritt sie Ende Mai als Mitglied des Universitätsrats der HSG zurück. Sie engagiert sich – auch finanziell – in zwei Start-ups im Bereich des Gesundheitswesens, Carenea und Lifestage Solutions. Zudem laufen Gespräche für allfällige weitere Mandate.

Zum Ausgleich treibt Metzler Sport, sie geht joggen, ist gerne in den Bergen, spielt Golf und Ähnliches mehr. Zudem hat sie sich zusammen mit ihrem Mann im vergangenen Jahr einen Töggeli-Kasten gekauft, «der in Zeiten von wochenlangem Home Office täglich im Einsatz steht». Wer in der ewigen Rangliste in Führung liegt, bleibt Familiengeheimnis.

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