Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nonvaleur
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La Flor de la Isabela

Spaniens erster Multi erwuchs aus dem Handel mit philippinischem Tabak. Ende 1881 wurde in Barcelona die Compañía General de Tabacos de Filipinas gegründet, mit Geschäftssitz in Manila. Die Aktie nebenan, von 1882, ist in Spanisch und Französisch gehalten, was belegt, wo potenzielles Anlegerpublikum angesprochen wurde. Taktgeber war der umtriebige Unternehmer Antonio López y López, nach dem heute noch ein Platz in Barcelona benannt ist; bis 2018 stand dort sogar sein Ebenbild, doch hatte López eine unrühmliche Vergangenheit im karibischen Sklavenhandel – und die Statue keine Zukunft mehr.

Von seiner letzten Schöpfung hatte López, geadelt zum Marqués de Comillas und gesegnet mit besten Bankbeziehungen, nicht mehr viel; er verstarb 1883. Die «Tabacalera» dagegen blühte kräftig auf. Das war nicht dem Glück ­geschuldet, sondern klarer Strategie, gründlicher Planung und zügigem Zupacken. Tabacos de Filipinas stiess, ­bestens informiert, vorbereitet und gerüstet, in die ­Lücke, die nach der Aufhebung des staatlichen Tabakmonopols entstanden war.

Zu Zeiten, als im spanischen Weltreich die Sonne nie unterging, im 17. Jahrhundert, waren Tabaksamen von Kuba auf den asiatischen Archipel gelangt. Als erster Spanier hatte im 16. Jahrhundert der Conquistador Miguel ­López de Legazpi – kaum ein Vorfahre des späteren López – die Inselwelt erkundet: Auf diese Zeiten geht die Globalisierung, der Austausch rund um den Erdball, zurück.

Tabacos de Filipinas erfüllte sich weitgehend den ultimativen unternehmerischen Wunschtraum: Marktbeherrschung. Die Leute um López wussten, was sie wollten, und sie erreichten es – vorbeugend um jeden Preis jede denkbare Konkurrenz fernhalten, das öffentliche durch das eigene Monopol ersetzen. Als der spanische Staat das Terrain geräumt hatte, kaufte Tabacos de Filipinas sofort alles an guten Tabakplantagen zusammen, was zu kriegen war (mit der Zeit sollen gegen 15 000 Hektar zusammengekommen sein), sicherte sich den Aufkauf der Ernten der kleinen Pflanzer und erwarb die verarbeitenden Betriebe.

Zudem machte sich die Gesellschaft daran, die Qualität der Produkte zu steigern, und etablierte die edle Zigarrenmarke «La Flor de la Isabela» auf den Weltmärkten – es gibt sie heute noch. Doch mit Rauchwaren allein gab sich ­Tabacos de Filipinas nicht zufrieden, sie hatte Interessen in Zucker, Alkohol, Kopra, Hanf und nahm den ­Warentransport per Schiff in die eigene Hand.

Das Jahr 1898 brachte eine weltgeschichtliche Zäsur – nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg hatten in Manila die Amerikaner das Sagen; die USA waren nun eine Weltmacht, Spanien nicht mehr. Tabacos de Filipinas galt über Nacht als eine ausländische Gesellschaft, und den neuen Landesherren lag eher am Markterfolg von Virginia-Tabaken, oder von kubanischen – denn auch in der Karibik ­hatten sie sich an den Platz der Spanier gesetzt.