Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nonvaleur
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La Tour Koechlin

Am Abend des 6. Juni 1884 skizzierte Maurice Koechlin in seiner Wohnung in Paris einen 300 m hohen Pfeiler. Er sollte als Wahrzeichen für die Weltausstellung von 1889 dienen. Die Zeichnung liegt im Archiv der ETH-Bibliothek; der heutige Eiffelturm wirkt zwar eleganter, doch der erste Entwurf lässt seine Gestalt bereits erahnen. Der Elsässer Koechlin (1856-1946) hatte in den 1870er Jahren am damaligen «Poly» studiert. Später trat er ins renommierte Ingenieurbüro Eiffel in Paris ein und tüftelte etwa das Eisengerüst im Innern der New Yorker Freiheitsstatue aus. Koechlin, der auch das Schweizer Bürgerrecht besass und seine letzte Ruhe in Vevey fand, hatte die Idee, doch erst der unternehmerisch denkende Gustave Eiffel erkannte das Potenzial des «Pylône de 300 m de hauteur». Eiffel erwarb von Koechlin und dessen Kollegen Emile Nouguier alle Rechte daran. Diese beiden berechneten die Statik und konstruierten das Eisenfachwerk. 1887 begannen die Bauarbeiten, der Turm wurde rechtzeitig auf die Expo fertig. Eiffel, der Koechlins Leistung stets ausdrücklich würdigte, handelte dem Ausstellungskomitee das Recht auf alle Gewinne aus dem Betrieb des Turms ab (bis 1910; dann sollte er abgerissen werden) – schliesslich musste der tüchtige Promoter den Grossteil der Baukosten vorschiessen. Dank der vielen Besucher rentabilisierte er die Investition via die Société de la Tour Eiffel alsbald. Dem diskreten Koechlin war es recht, dass der Turm nicht seinen Namen erhielt. Eiffel übrigens hiess eigentlich Bönickhausen. Zum Glück benannte er sich nach der Eifel, woher seine Ahnen stammten.

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