Meinungen

Laborrevolution

Seit Jahrzehnten reden Pharmavertreter von Effizienzsteigerung in der Forschung. Novartis will nun Ernst machen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Rupen Boyadjian.

«Gelingen Novartis-CEO Vas Narasimhan klare Verbesserungen, ist das so bedeutend wie die Ausrichtung auf Spitzenmedizin.»

Endlich. Novartis (NOVN 94.4 -0.17%) macht Ernst mit Effizienz in der Forschung. «Gnadenlos» wurde priorisiert, wie es offiziell heisst. Das Management kann bereits erste Erfolge in Form beschleunigter Prozesse vorweisen. Doch die Revolution in den Laboren geht tiefer. Konsequent werden die aussichtsreichsten Wirkstoffe favorisiert. Novartis lanciert schon vor der Zulassung Studien für mehrere Indikationen. Die Patienten erhalten früher Zugang, und der Konzern gewinnt Zeit und einen Milliardenumsatz. Dazu kommt, dass die Anträge im Wachstumsmarkt China gleichzeitig mit denen in den westlichen Ländern gestellt werden sollen.

Denn die Uhr tickt für den Patentschutz. Kommen zusätzliche Behandlungsfelder erst nach Jahren hinzu, geniessen die letzten nur kurze Exklusivität. Seit Jahrzehnten reden Pharmavertreter von der nötigen Effizienzsteigerung in der Entwicklung. Passiert ist wenig. Gelängen Novartis-CEO Vas Narasimhan klare Verbesserungen, wäre das womöglich so bedeutend wie die Ausrichtung auf Spitzenmedizin.

Der Markt hat der neuen Strategie von Novartis die kalte Schulter gezeigt. Die Aktien haben sich im Nachgang der Ankündigung kaum bewegt. Doch genau diese Gleichgültigkeit könnte jetzt für den Anleger, der Geduld hat und Novartis kauft, um sie Jahre im Portfolio zu behalten, eine ideale Einstiegschance sein. Wenn Novartis wirklich Ernst macht und den Lippenbekenntnissen Taten folgen lässt, dann wird sich das günstig auf den Aktienkurs auswirken. Das ist ein weiteres Argument für die ohnehin kaufenswerten Titel.