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Lachappelle muss liefern

Der Raiffeisen-Präsident in spe, Guy Lachappelle, bringt alles mit, um die Skandalbank umzukrempeln. Jetzt muss er es auch wollen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Valentin Ade.

«In der Aufarbeitung der Ära Vincenz darf Lachappelle keine Kompromisse machen. Eine Salamitaktik darf es hier nicht mehr geben.»

Guy Lachappelle ist eine unerwartete Wahl als Kandidat für das Präsidium von Raiffeisen Schweiz – aber keine schlechte. Der Chef der Basler Kantonalbank (BKB) bringt alles mit, was die skandalgeschüttelte Genossenschaftszentrale in St. Gallen braucht: Bank-Know-how, Kommunikationsstärke und vor allem Krisenerfahrung.

Lachappelles BKB hat in der Vergangenheit wenig ausgelassen, um in Ungnade zu fallen. Im Steuerstreit war sie als einzige KB (neben der Zürcher) vorne mit dabei. Der Skandal um die betrügerische Vermögensverwalterin ASE kostete Lachappelles Vorgänger den Job und kratzte am Image des Basler Hünen.

Doch Lachappelle hielt sich. Mehr noch: Er krempelte in seiner fünfjährigen CEO-Zeit den ehemaligen Skandalladen BKB gehörig um. Der Konzern, zu dem auch die Bank Cler (BC 52 -1.89%) gehört, befindet sich auf dem Weg zurück zu alter Ertragsstärke.

Lachappelles Macherqualitäten werden jetzt auf Raiffeisens Baustellen gebraucht. Nach seiner Wahl am 10. November muss er rasch einen neuen CEO finden, damit Patrik Gisel auf Ende Jahr seinen Hut nehmen kann, und mit ihm gleich die übrigen Führungsfiguren aus der Ära Vincenz.

Lachappelle muss die 246 Raiffeisenbanken mit der Zentrale in St. Gallen versöhnen. Dazu muss er die Banken besser in die Entscheidungsfindung einbinden und Raiffeisen Schweiz gegebenenfalls in eine Aktiengesellschaft umwandeln.

Aber vor allem darf Lachappelle in der Aufarbeitung der Ära Vincenz keine Kompromisse machen. Dazu gehört, den Untersuchungsbericht von Wirtschaftsprofessor Bruno Gehrig Ende Jahr öffentlich zu machen. Eine kommunikative Salamitaktik darf es nicht mehr geben. Herr Lachappelle, jetzt müssen Sie liefern.

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