Meinungen

Länger arbeiten

Der Druck auf Erhöhung des Rentenalters steigt – das ist unbedingt nötig. Ein Kommentar von FuW-Radaktor Peter Morf.

«Ältere Arbeitnehmer mit einem fixen Rentenalter zu diskriminieren, ist somit auch eine Verschleuderung von Ressourcen.»

Die Schweiz tut sich schwer mit der Sanierung der Altersvorsorge. Das war schon vor Corona so – seit Jahren laufen entsprechende Projekte, Fortschritte wurden dennoch kaum erreicht. Das gilt verstärkt in Zeiten von Corona; die Altersvorsorge ist fast vollständig von der Bildfläche verschwunden. Damit geht wertvolle Zeit verloren, die Situation von AHV und beruflicher Vorsorge verschlechtert sich fast von Tag zu Tag.

Das hat sich offenbar bis in die USA herumgesprochen. In seinem Bericht zur Schweiz empfiehlt das US-Treasury unter anderem eine Erhöhung des Rentenalters. Auch wenn das nicht der richtige Absender ist, ist der Rat sachlich dennoch zutreffend.

In dieselbe Richtung weist eine neue Studie der OECD, die sich mit der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer auseinandersetzt: «Promoting an Age-Inclusive Workforce». Auch die OECD kommt zum Schluss, dass sich der Prozess der Alterung der Bevölkerung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten akzentuieren wird. Kommen heute auf eine Person über 65 Jahre deren drei zwischen 20 und 64 Jahren, werden es bis 2050 nur noch zwei Erwerbstätige sein. Das deckt sich in der Grössenordnung mit den Perspektiven für die Schweiz.

Die Studie kommt zum Schluss, es sei falsch, die Beschäftigung mit einem fixen Alter zu beschränken. Sie soll sich nach der Arbeitsfähigkeit der Einzelnen sowie ihren individuellen Bedürfnissen richten. Durch ein derartiges Regime, auf das schon etliche OECD-Staaten eingeschwenkt sind, werde sich auch der Lebensstandard erhöhen. Ältere Arbeitnehmer mit einem fixen Rentenalter zu diskriminieren, ist somit auch eine Verschleuderung von Ressourcen.

Genau in diese Richtung weist auch die von den Jungfreisinnigen lancierte «Renteninitiative». Sie verlangt eine schrittweise Erhöhung des Rentenalters für beide Geschlechter auf 66 Jahre sowie danach eine Anpassung des Rentenalters an die Lebenserwartung. Die Unterschriftensammlung für die Initiative läuft.

Der Druck auf eine Erhöhung des Rentenalters steigt – von verschiedensten Seiten her. Das ist grundsätzlich zu begrüssen, vielleicht kommt so endlich Bewegung in die Sache. Es ist schwer nachvollziehbar, warum sich die Politik so hartnäckig weigert, dieses Thema ernsthaft aufzugreifen. Die Linke und die Gewerkschaften kleben offenbar an ihrer fixen Idee, dass Arbeit stets mit Leid verbunden ist und darum möglichst minimiert werden sollte. Sie geben sich keine Rechenschaft darüber, dass nur Arbeit den hohen Wohlstand der Schweiz ermöglicht. Die Linke steht sich mit ihrer Ideologie also selbst im Weg.

Bürgerliche Politiker verharren im Status quo, weil sie wohl glauben, dass die Forderung nach einem höheren Rentenalter unpopulär sei und ihre nächste Wahl gefährden könnte. Da könnten sie sich allerdings irren, der Bürger versteht die Arithmetik der Altersvorsorge und erkennt, dass es so nicht weitergehen kann.

Es ist höchste Zeit, dass sich die Politik endlich den Realitäten in der Altersvorsorge stellt. Schiebt sie das Thema weiter vor sich her, könnte das ein böses Ende nehmen.

Leser-Kommentare

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Léonard Gerber 18.12.2020 - 15:26

Viele Arbeitnehmer möchten gerne arbeiten, werden jedoch von Arbeitgebern aufgrund ihres Alters (über 55.) nicht berücksichtigt.

Der Knoten ist nicht unbedingt politisch oder statistisch, aber auf Unternehmensebene, da viele Unternehmen (z. B. Banken) dazu neigen, diese Altersgruppe (aus Kostengründen) loszuwerden und jüngere Mitarbeiter zu gewinnen.

Markus Lippe-Haberthür 20.12.2020 - 10:08

Meine persönlichen Erfahrungen decken sich 100%-ig mit Ihren Aussagen! Ich wollte eigentlich bis 70 arbeiten, wurde aber mit 63 Jahren “aus wirtschaftlichen Gründen” entlassen.
Man staunt halt immer wieder, wie sehr der Autor die Wahrheit verbiegt, damit er die Schuld den Linken in die Schuhe schieben kann!

Ulrich-Paul Huber 18.12.2020 - 21:31
Warum werden, nebst der Tatsache das die Generation, die nun im Rentenalter ist, sich als Kind gesünder ernährte als heutige Menschen (zukünftige alte Menschen), die sich mit Fertigprodukten, viel Zucker, zu viel Salz etc. sättigen, dem zweiten Fakt das über 50 jährige bei Arbeitsplatzverlust zunehmend Probleme bekommen eine geeignete Stelle zu finden und von Unternehmungen auch zu erhalten, – nicht… Weiterlesen »
Walter Plattner 25.12.2020 - 12:34

Es geht nicht ohne Erhöhung des Rentenalters und noch flexiblere Möglichkeiten zur Pensionierung. Es sind genau die “reichen” Banken und Versicherungen die ihre älteren Mitarbeiter sehr früh in die Wüste schicken.