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LafargeHolcim zieht sich aus Südostasien zurück

Analyse | Der Zementkonzern setzt die Devestitionsstrategie in Asien fort. Das Philippinen-Geschäft wird verkauft, um die Verschuldung zu reduzieren und die Marge zu stärken.

Als «hyperkompetitiv» bezeichnet Jan Jenisch, CEO von LafargeHolcim (LHN 48.21 0.44%), in einer Mitteilung vom Freitag den südostasiatischen Zementmarkt. Die Zahl der Wettbewerber ist gross, es herrschen Überkapazitäten – entsprechend niedrig sind die Margen. Der weltgrösste Zementkonzern zieht sich deshalb aus der Region zurück. Ende Januar veräusserte er sein Geschäft in Indonesien. Vor einer Woche kündigte er den Ausstieg aus Malaysia und Singapur an. Und am Freitag wurde der Verkauf des Geschäfts auf den Philippinen bekanntgegeben. Damit ist der Rückzug aus der Region komplett.

Die Veräusserungen sind klar wertsteigernd. Der Konzern konnte die Ländergesellschaften zu einem stolzen Preis verkaufen: Die Einheiten wurden mit insgesamt 4,9 Mrd. $ bewertet. Gemäss LafargeHolcim entspricht die Summe dem 21-Fachen des wiederkehrenden Betriebsgewinns vor Abschreibungen (Ebitda). Angesichts der Tatsache, dass LafargeHolcim selbst nur mit dem Achtfachen des Ebitda bewertet ist, sind das stolze Preise.

Wenig profitabel

Die veräusserten Geschäfte sind zudem unterdurchschnittlich profitabel: Lafarge Malaysia war zuletzt selbst auf Stufe Ebitda ein Verlustgeschäft. Unter dem Strich fiel im vergangenen Jahr ein Minus von umgerechnet 78 Mio. Fr. an. Holcim Philippinen schrieb zwar schwarze Zahlen. Die Ebitda-Marge lag im vergangenen Jahr mit 13,7% aber deutlich unter derjenigen des Konzerns, die 22,3% betrug. Das Gleiche gilt für Holcim Indonesien. Holcim Singapur veröffentlicht keine Zahlen.

Schliesslich helfen die Verkäufe LafargeHolcim, das Ziel einer geringeren Verschuldung zu erreichen. Bis Ende Jahr will das Unternehmen das Verhältnis von Nettoschulden zu operativem Gewinn Ebitda unter 2 drücken. Mit den beschlossenen Veräusserungen wird das gelingen. Die robustere Bilanz eröffnet LafargeHolcim die Möglichkeit, vermehrt Zukäufe zu finanzieren. So will sich der Konzern ausserhalb des kapitalintensiven Zementbereichs im Bereich Zuschlagstoffe verstärken. Verschiedene kleinere Übernahmen in diesem Bereich wurden bereits abgeschlossen, weitere sollen folgen.

Nach Jahren, in denen sich LafargeHolcim in erster Linie auf die Synergien aus der Fusion konzentrierte, dürfte damit künftig wieder das Wachstum im Vordergrund stehen. So hält ein Analyst der Helvetischen Bank fest, er glaube, «dass der Devestitionszyklus nun grossmehrheitlich abgeschlossen» sei.

Nicht nur die Verkäufe rücken LafargeHolcim in ein gutes Licht: Vielversprechend sind auch die Zahlen, die der grösste Konkurrent, die deutsche HeidelbergCement (HEI 71.18 0.39%), am Donnerstag vorgelegt hat. In deren Quartalsbericht ist von einer «positiven Dynamik in vielen Märkten» sowie «besseren Wetterbedingungen in Europa und Nordamerika» die Rede. Zudem gelang es HeidelbergCement, Preiserhöhungen durchzusetzen und so die Kostensteigerung mehr als auszugleichen.

LafargeHolcim wird am kommenden Mittwoch ihre Quartalszahlen vorlegen. Im Vergleich zu HeidelbergCement ist der Schweizer Konzern stärker in den Märkten Lateinamerika und Afrika tätig, die sich zuletzt schwach entwickelt haben. Dennoch dürften die Wachstumstreiber, von denen HeidelbergCement profitiert hat, auch LafargeHolcim zugutekommen.

Höhere Gewinnschätzung

Aufgrund der günstigeren Aussichten erhöht «Finanz und Wirtschaft» die Gewinnschätzung für das laufende Jahr auf 3.50 Fr. je Aktie. Das erwartete gute erste Quartal fällt dabei weniger ins Gewicht als die beschlossenen Devestitionen. Das erste Quartal ist traditionell schwach und macht nur einen kleinen Teil des Gesamtjahresergebnisses aus.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 für 2019 sind die Titel moderat bewertet. «Finanz und Wirtschaft» rechnet mit Aufwärtspotenzial und empfiehlt die Valoren seit Längerem zum Kauf. Seit Anfang Jahr hat sich der Kurs zwar ein Viertel erhöht. Der Aufbau von Positionen dürfte sich aber auch jetzt noch lohnen.

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