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Lagarde: «Der Weltwirtschaft droht eine Wachstumsfalle»

In einer Grundsatzrede im Vorfeld der Frühjahrestagung des IWF und der Weltbank forderte die IWF-Direktorin Christine Lagarde die Industrie- und die Schwellenländer zu engerer Kooperation auf.

Peter De Thier, Washington

Ohne zusätzliche staatliche Investitionen sowie Arbeitsmarktreformen und einen zügigen Abschluss der Finanzmarktreformen droht der Weltwirtschaft mittelfristig eine «Wachstumsfalle». In einer Grundsatzrede im Vorfeld der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank forderte die geschäftsführende IWF-Direktorin Christine Lagarde die Industrie- und die Schwellenländer zu engerer wirtschaftspolitischer Kooperation auf, um eine Abschwächung der globalen Erholung zu verhindern.

Die Weltwirtschaft befindet sich laut Lagarde in einer Phase «moderater und fragiler Erholung». Zu erwarten sei auch, dass die globale Wachstumsrate im laufenden Jahr ebenso wie 2015 etwas höher ausfällt als 2013. Für 2014 prognostiziert der IWF eine Zunahme der globalen Wirtschaftsleistung um 3,7% und für das kommende Jahr einen Anstieg auf 3,9%.  Ziel müsse es hingegen sein, einen Pfad zu «rapiderem und tragfähigem Wachstum zu beschreiten», sagte die IWF-Chefin vor der School of Advanced International Studies in Washington. Dass die Industrieländer wieder kräftiger zulegen, während das Wachstum in den Schwellen- und Entwicklungsländern sich etwas abgeschwächt hat, begrüsste Lagarde, zumal die weniger entwickelten Volkswirtschaften fünf Jahre lang der Katalysator der Weltwirtschaft waren.

Dennoch bewegt sich die Weltkonjunktur nach Ansicht der geschäftsführenden IWF-Direktorin nach wie vor auf brüchigem Boden. Weiter bestehende Abwärtsrisiken stellen demnach hohe Arbeitslosigkeit, in vielen Ländern die nach wie vor hohe Staatsverschuldung und die noch unvollständigen Finanzmarktreformen dar. Hierzu gesellen sich aber zwischenzeitlich neue Unsicherheiten, allen voran die Gefahr einer zu niedrigen Inflation. Speziell in Europa drohe die «low-flation», wie Lagarde sie nennt, Nachfrage und Produktion zu drücken und könnte folglich im Wachstum sowie in der Arbeitslosenquote negativ zu Buche schlagen.

Für gefährlich hält Lagarde, vor allem in den Schwellenländern, die potenziell höhere Marktvolatilität als Folge des Ausstiegs der Notenbanken aus der ultralockeren Geldpolitik. Zu neuen Risiken führen auch geopolitische Spannungen, konkret die derzeitige Lage in der Ukraine. Begegnen könne man diesen Gefahren nur durch engere wirtschaftspolitische Koordination, speziell innerhalb der G-20. Auf diesem Wege könnte die globale Wachstumsrate während der kommenden fünf Jahre um mehr als zwei Prozentpunkte nach oben gedrückt werden.