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Lagarde sieht für die Euro-Wirtschaft Licht am Ende des Tunnels

Gemäss EZB-Präsidentin wird sich die Wirtschaftsaktivität weiterhin negativ entwickeln, jedoch sollte danach der Betrieb wieder anziehen.

(Reuters) Die Wirtschaft in der Euro-Zone wird sich aus Sicht von EZB-Präsidentin Christine Lagarde voraussichtlich langsam aus der Umklammerung durch die Pandemie lösen. Kurzfristig würden Virus-Krise und Eindämmungsmassnahmen zwar die Wirtschaftsaktivität weiter dämpfen, erklärte Lagarde am Donnerstag anlässlich virtueller Beratungen des Internationalen Währungs- und Finanzausschusses (IMFC) im Rahmen der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Danach werde die Aktivität aber voraussichtlich wieder anziehen. Einige Währungshüter der EZB denken bereits über ein Zurückfahren der grossangelegten Anleihenkäufe im weiteren Jahresverlauf nach.

«Insgesamt halten sich die Risiken für den Wachstumsausblick im Euro-Raum inzwischen mehr die Waage, obwohl die mit der Pandemie verknüpften Gefahren auf kurze Sicht bleiben», erklärte Lagarde. Danach werde eine Zurücknahme der Eindämmungsschritte, sobald eine breitere Immunität in der Bevölkerung erreicht sei, die Wirtschaftsaktivität anschieben. Auch die geldpolitische Hilfe, die anhaltende fiskalische Unterstützung und ein Aufschwung in der Auslandsnachfrage würden dazu beitragen. Zu den weiteren Faktoren, die die Aussichten positiv beeinflussen könnten, zählte Lagarde eine sich verbessernde globale Nachfrage angeschoben durch das umfangreiche Corona-Hilfsprogramm in den USA sowie Fortschritte in den Impfkampagnen.

In ihrer Erklärung bekräftigte die EZB-Präsidentin zudem zentrale Punkte der März-Zinssitzung. Auf dieser hatte die Notenbank beschlossen, die Geschwindigkeit der Anleihenkäufe im Rahmen ihres Notfall-Programms PEPP, das auf 1,85 Bio. € angelegt ist, im zweiten Quartal deutlich zu steigern. Damit will sie sich gegen einen Anstieg der Renditen von Staatsanleihen der Euro-Länder seit Jahresbeginn stemmen. Denn mitten in der Pandemie kämen höhere Finanzierungskosten für Unternehmen, Staaten und Haushalte zur Unzeit.

Wie aus den Protokollen der März-Sitzung hervorgeht, gab es unterschiedliche Ansichten unter den Währungshütern, wie der Renditeanstieg zu bewerten sei. So wurde auch die Sichtweise vertreten, dass sich der Anstieg in Grenzen gehalten habe und die Finanzierungsbedingungen für die Unternehmen sehr günstig geblieben seien. Einer Erhöhung der Kaufgeschwindigkeit stimmten die Euro-Wächter unter der Voraussetzung zu, dass diese künftig auch wieder verringert werden könne, wie das Protokoll zeigt. Am Ende wurde auch verabredet, die Kaufgeschwindigkeit jeweils quartalsmässig zu überprüfen. Die nächste Prüfung dürfte im Juni anstehen.

Österreichs Notenbankchef Robert Holzmann denkt bereits über eine Verringerung der Käufe ab dem dritten Quartal nach, wie er dem Sender CNBC sagte. Sein EZB-Ratskollege, der niederländische Notenbankchef Klaas Knot, hatte in einem am Mittwoch veröffentlichten Reuters-Interview gesagt, die Wirtschaft sei auf dem Weg zu einer robusten Erholung im späteren Jahresverlauf. Diese könne es der EZB erlauben, ab dem dritten Quartal langsam ihre PEPP-Anleihenkäufe auslaufen zu lassen und sie bis Ende März 2022 zu beenden. Finnlands Notenbank-Chef Olli Rehn plädierte gegenüber CNBC dagegen zur Vorsicht. Es sei besser, auf Nummer sicher zu gehen. Erst müsse eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft eingetreten sein, bevor man sich bei der lockeren Geldpolitik in Richtung Ausgang bewegen könne.

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