Unternehmen / Konsum

Lalique verschiebt Mittelfristziele

Das Luxusgüterunternehmen hat 2019 deutlich weniger weniger verdient und zahlt keine Dividende. Die Coronakrise verzögert das Wachstum.

(GA/AWP) Das Luxusgüterunternehmen Lalique (LLQ 30.2 3.42%) hat wie bereits angekündigt 2019 deutlich weniger verdient als im Vorjahr. Weil es davon ausgeht, dass das Ergebnis des laufenden Jahres durch die Covid-19-Situation belastet werden wird, beantragt der Verwaltungsrat, auf eine Dividende für das Geschäftsjahr 2019 zu verzichten.

CEO Roger von der Weid verzichtete an einer Telefonkonferenz wegen der grossen Unsicherheit auf eine Jahresprognose. Er geht derzeit von einer nur langsamen Erholung nach dem Lockdown aus.  Es werde auch länger als bisher angenommen dauern, bis Lalique die Mittelfristziele – ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und eine Ebit-Marge zwischen 9 und 11% – erreichen kann.

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Hoffnungsschimmer in Asien

Alles in allem sei das Geschäft von Lalique von den Mitte März in vielen Staaten verhängten Lockdown-Massnahmen aber weniger stark betroffen gewesen als ursprünglich erwartet, sagte von der Weid weiter. In den sieben Boutiquen in China und Hongkong lief das Geschäft «überraschend gut». In Japan, wo die Läden erst vor einer Woche schliessen mussten, wurde Umsatz generiert. Zehn Läden sind dort nach wie vor offen. Die beiden Märkte werden auch weiterhin beliefert.

In Europa ist der Retailkanal zum Stillstand gekommen, auch aus dem Grosshandel kommen kaum noch Bestellungen. Die Produktion in Frankreich wurde nach einer kurzen Schliessung Ende März und Anfang April auf kleiner Flamme wieder aufgenommen.

Für den weiteren Jahresverlauf rechnet die Gesellschaft mit Beeinträchtigungen des Geschäftsbetriebs, besonders wegen der Schliessung von Verkaufsstellen und Unterbrüchen in Lieferketten.

Um den Fixkostenblock zu senken, reduzierte Lalique die Marketingaktivitäten. Eine Reihe von Projekten wurde vorerst suspendiert. Weitergeführt werden die Vorarbeiten zur Lancierung eines ersten Parfüms unter Brioni-Lizenz und für den Relaunch der Whiskymarke The Glenturret. Beides ist für Herbst vorgesehen.

Kurzarbeit am Hauptsitz in Zürich und an den Standorten in Frankreich sowie bereits zugesicherte Mietzinsnachlässe entlasten die Rechnung ebenfalls. Zudem  verzichten die Mitglieder des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung auf einen Teil von Salär und Bonus.

Deutlicher Gewinnrückgang

Bereits am 25. März hatte Lalique vorläufige Zahlen zum Geschäftsergebnis 2019 offengelegt. Die nun publizierten Resultate wichen davon nicht ab.

So stieg der Umsatz 5% auf 143,5 Mio. €. Zum Wachstum hätten besonders das Segment Ultrasun, eine positive Entwicklung im Grossteil des Parfümgeschäfts sowie das Kristallgeschäft beigetragen. Auch die Beteiligung an der schottischen Whiskydestillerie The Glenturret habe erstmals Ertrag beigesteuert.

Das Betriebsergebnis auf Stufe Ebit ging dennoch von 6,4 auf 1,4 Mio. € zurück und lag damit im oberen Bereich der im Oktober kommunizierten Prognose. Im Vorjahresergebnis war ein ausserordentlicher Ertrag von 2,4 Mio. € im Zusammenhang mit einem Rechtsverfahren enthalten. Die Ebit-Marge verringerte sich von 4,5 auf 1%.

Unter dem Strich resultierte ein Gewinn von 1,1 Mio. €, nach 5,2 Mio. € im Vorjahr.

Umsatzrückgang im Segment Lalique

Das Segment Lalique verzeichnete einen Umsatzrückgang von 2% auf 81,1 Mio. €. Das Segment Ultrasun dagegen verbuchte besonders in China, der Schweiz und den Niederlanden weiteres Wachstum und erhöhte den Umsatz um 25% auf 21,8 Mio. €. In den übrigen Segmenten nahm bei Jaguar Fragrances der Umsatz nach einem guten Vorjahr erneut um 5% zu, und Parfums Grès verzeichnete gar ein Umsatzplus von 20%.

Die Whiskydestillerie The Glenturret, die nach der Übernahme per 28. März 2019 voll konsolidiert wird, verzeichnete in den Monaten April bis Dezember 2019 einen «erwartungsgemässen Umsatz» von 1,9 Mio. €.

Die Lalique-Aktien fristen ein Mauerblümchendasein an der SIX. Vom Tiefst Mitte März haben sie sich zwar erholt, doch sind sie noch weit vom Kursniveau von Anfang Jahr entfernt. Der Handel ist illiquid. Ein Engagement drängt sich nicht auf.