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«Cat Bonds ohne Einbussen»Michael Stahel Der Leiter Insurance-linked Investments von Clariden Leu erklärt, weshalb sich Katastrophenanleihen stabil halten

Katastrophenanleihen (Cat Bonds) sichern extreme Risiken ab (vgl. Text links). Wie sie auf das Erdbeben und den Tsunami in Japan reagieren, erklärt Michael Stahel, Leiter Insurance-linked Investments von Clariden Leu.

▪ Herr Stahel, welche Auswirkungen hat die Katastrophe in Japan auf Cat Bonds?

Katastrophenanleihen zahlen aus, wenn ein Erdbeben ein gewisses Ausmass überschreitet, Auslöser ist typischerweise eine physikalische Messung. Sie umfasst die Stärke, also die Bodenbeschleunigung, die Tiefe und die geografische Ausbreitung des Bebens – Regionen werden je nach versicherter Summe gewichtet. Am schlimmsten ist eine starke Beschleunigung nahe der Erdoberfläche in einem dicht besiedelten Gebiet, so wie beim verheerenden Beben im Februar in Neuseeland. In Japan sind noch nicht alle Werte vorhanden, Messstationen waren wegen Stromausfall oder Überflutung zum Teil lahmgelegt. Unser Cat Bond Fund verzeichnet nach heutigem Wissensstand keine Einbussen, wir gehen davon aus, dass für keinen der hier ausstehenden Cat Bonds eine Zahlung fällig wird.

▪ Das ist angesichts der Nachrichten und Bilder aus Japan erstaunlich.

Das Erdbeben war stark, der Wert auf der Richterskala ist auf 9,1 nach oben revidiert worden. In Tokio gab es jedoch kaum strukturelle Schäden. Das Beben lag rund 400 Kilometer nordöstlich in der Nähe einer Region mit wenig versicherten Werten. Hätte das Epizentrum in Tokio gelegen, würden viele im Markt ausstehende Cat Bonds auszahlen. Trotz erdbebensicherer Bauten wäre die Infrastruktur stark beschädigt, das Ausmass einer solchen Katastrophe ist nicht auszudenken.

▪ Anleger mit Katastrophenanleihen sind also nicht betroffen?

In gewissen Kontrakten kommt es zu einer Auszahlung. Im Markt sind weltweit Cat Bonds für rund 12 Mrd. $ ausstehend, das Volumen ist somit limitiert und die Möglichkeiten zur Diversifikation der Risiken begrenzt. Die Cat Bonds verfügen in der Regel über eine Laufzeit von drei Jahren, sind breit im Markt plaziert und der Handel ist liquide. Überdies gibt es Finanzversicherungsverträge, die meist ein Jahr laufen und bilateral zwischen Fonds und Rückversicherern abgeschlossen werden. Enthält ein Fonds beispielsweise zwei Drittel Cat Bonds und ein Drittel Finanzversicherungskontrakte, dürfte er schätzungsweise 1,8 bis 3% einbüssen.

▪ Weshalb ist der Verlust so gering?

Alternative ILS Fonds sind in der Regel noch breiter diversifiziert. Sie umfassen jeweils etwa 70 bis 80 Cat Bonds und Finanzversicherungsverträge, die weltweit verschiedenste Risiken abdecken.

▪ Rückversicherer bezahlen Schäden, erhalten nun aber von Cat Bonds kaum Geld. Funktioniert die Absicherung?

Cat Bonds sollen der Versicherungsindustrie Kapital in den extremsten Szenarien zur Verfügung stellen, ein Beispiel dafür wäre das Erdbeben in San Francisco im Jahr 1906. Den Versicherungsschaden in Japan schätzt die Agentur AIR Worldwide auf 15 bis 35 Mrd. $. Hurrikan Katrina verursachte im Herbst 2005 Schäden von 41 Mrd. $. Nur schon mit Blick auf den versicherten Schaden hätte die Katastrophe in Japan weit intensiver ausfallen können.

▪ Sind die Auswirkungen des Tsunami nicht berücksichtigt?

Meistens nicht, allerdings gibt es Cat Bonds verschiedener Ausprägung. Gewisse Kontrakte decken die effektiven Kosten eines Rückversicherers, den Originalschaden. Eine solche Anleihe hat z. B. der Schweizer Rückversicherer Flagstone emittiert. Wir gehen jedoch auch hier nicht davon aus, dass der sehr hoch angesetzte Schwellenwert überschritten wird.

▪ Wäre auch der Schaden aus einer atomaren Verseuchung gedeckt?

Das ist in den Versicherungsverträgen in der Regel ausgeschlossen.

Interview: Philippe Béguelin

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