Unternehmen / Energie

Leclanché stellt sich neu auf

Der Westschweizer Hersteller von Energiespeicherlösungen geht eine Partnerschaft mit Eneris aus Polen ein und soll insgesamt 95 Mio. Fr. erhalten.

(AWP/SYC) Der Westschweizer Energiespeicher-Hersteller Leclanché (LECN 0.62 -0.96%) geht eine Partnerschaft mit der aus Polen operierenden Eneris Group ein und stellt sich gleichzeitig strategisch neu auf. Eneris investiert dabei insgesamt 95 Mio. Fr. in Form von Betriebsmittelkrediten und in die Erweiterung der Kapazitäten, wie Leclanché am Dienstag mitteilte.

Leclanché hat erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Im Mai musste das Unternehmen die Publikation des Jahresberichts aufschieben aufgrund einer Überschuldung. Provisorische Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 zeigen einen Verlust von 83,4 Mio. Fr. bei einem Umsatz von lediglich 16,3 Mio. Fr.

Eneris mit Mehrheitsanteilen

Die strategische Reorganisation soll Leclanché in ein «markt- und forschungsorientiertes Software- und Systemintegrations-Unternehmen umwandeln», welches über höhere Kapazitäten sowohl für die Produktion als auch die Forschung & Entwicklung verfügt. Demnach will sich Leclanché künftig auf die Forschung und Entwicklung konzentieren und sich die Produktion an die mit Eneris gegründeten Joint Ventures auslagern, an welchen die Polen die Mehrheit halten.

Die Eneris Group ist laut Leclanché ein Cleantech-Unternehmen und Schlüsselteilnehmer des EU-Programms «Important Project for Common European Interest on batteries» (IPCEI). Eneris investiert direkt insgesamt bis zu 95 Mio. Fr. in zwei Fertigungs-Joint Ventures und ein Technologie-Lizenzabkommen: 42 Mio. Fr. als Betriebsmittelkredite und 53 Mio. Fr. für die Erweiterung der Kapazitäten.  Wie einem separat publizierten Brief an die Aktionäre zu entnehmen ist, wurden die Modalitäten für die erste Tranche der Betriebsmittelkredite von 21 Mio. Fr. bereits geklärt, die zweite Tranche von nochmals 21 Mio. Fr. soll bis Oktober 2020 diskutiert und vereinbart werden.

Die zu schaffenden Joint Ventures werden sich mehrheitlich im Besitz von Eneris befinden, teilt Leclanché weiter mit.

«Materiell nicht verwässernd»

Leclanché benötigt die Produktionskapazitäten laut eigenen Angaben, um vertragliche Verpflichtungen gegenüber Kongsberg Maritime und Bombardier (BBD.B 0.43 -1.15%) zu erfüllen. Mit Blick auf die Aktionäre heisst es weiter: «Schliesslich, und das ist das Wichtigste, ist die strategische Partnerschaft mit Eneris für die derzeitigen Aktionäre materiell nicht verwässernd.»

Die Partnerschaft mit Eneris soll Leclanché ermöglichen, einer der Marktführer «im Bereich der Energiespeicherung mit voller Wertschöpfungskette» zu werden. Man sei dabei, eine strategische Neuorganisation einzuleiten und gleichzeitig den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen Rechnung zu tragen, welche wegen Covid-19 herrschen, heisst es. Gleichzeitig zeigt sich das Unternehmen «überzeugt, über solide Grundlagen für ein profitables Wachstum zu verfügen».

Leclanché will höhere Nachfrage befriedigen

Leclanché will den Markt mit «angemessenen Batterien für die stationäre Speicherung erneuerbarer Energie» versorgen. Diese sollen zusammen mit Brennstoffzellen für den E-Tranpsort verbunden werden. Anwendung findet die Technologie in Bussen, Lastwagen, Schiffen, Lokomotiven oder Schwerlastmaschinen. Die Nachfrage danach übersteige die Produktionskapazitäten von Leclanché bei weitem.

Die Transaktion biete Leclanché eine Reihe von Vorteilen, sagt CEO Anil Srivastava in der Mitteilung. So müsse Leclanché Investitionen in der Höhe von bis zu 53 Mio. Fr. im laufenden Jahr und weitere 60 Mio. Fr. im kommenden nicht selber stemmen. Diese sind notwendig, um die Zellproduktion zu erhöhen. Gleichzeitig sollen die Betriebskosten um rund 20% reduziert werden.

Weiter wird Leclanché einen Geschäftsbereich «Build-Own-Operate (BOO)» einführen und in die separate Holdinggesellschaft «BOO HoldCo» ausgliedern. An dieser will Leclanché eine Kontrollmehrheit behalten. Das BOO-Modell soll «ein profitables Wachstum für 20 Jahre bringen», die Aktiven in der Bilanz stärken sowie die jährlichen Schwankungen der Projekteinnahmen verringern.