Unternehmen / Schweiz

Leerverkäufer stocken bei AMS weiter auf

Mehr als jede fünfte Aktie des Chipherstellers liegt in den Händen von Spekulanten. Auch andere Titel sind in deren Visier.

Der Absturz ist hart: Die Aktien von AMS (AMS 47.55 0.74%) haben seit Mitte März fast 70% verloren. Noch Anfang Jahr war der österreichische Chiphersteller ein Liebling der Anleger. In vierzehn Monaten hatte sich der Kurs auf 120 Fr. mehr als vervierfacht. Doch mittlerweile ist die Euphorie gewichen: Die Verschuldung ist infolge der hohen Fremdkapitalisierung auf 1,6 Mrd. € gestiegen. Die Zweifel der Investoren an dieser Strategie wachsen.

Die negative Stimmung zeigt sich auch an den Leerverkäufen: Leerverkäufer sehen offenbar gute Chancen, bei AMS mit noch stärker fallenden Kursen Geld zu verdienen. Gemessen an den ausstehenden Aktien ist mehr als jeder fünfte Titel des Unternehmens geshortet. Das entspricht einem Anstieg von 23% in den vergangenen 28 Tagen, wie aktuelle Zahlen des Finanzdatendiensts IHS Markit zeigen.

Weiterhin im Fokus der Leerverkäufer stehen die Titel von U-Blox (UBXN 74.35 -2.17%), wenngleich sie ihre Position im Vergleich zum Vormonat reduziert haben. Das Management des Chipherstellers musste zur Präsentation der Semesterzahlen Ende August die Jahresziele nach unten anpassen. Der Absatz in China schwächelt vor dem Hintergrund des Handelskonflikts mit den USA. Im ersten Halbjahr sank der Umsatz in der Region Asien-Pazifik 19%.

Ebenfalls in Schwierigkeiten steckt Landis+Gyr (Landis+Gyr 86.35 -3.36%). Wegen anhaltender Lieferengpässe bei Elektronikkomponenten in der Region Europa verzeichnete der Messgerätehersteller im ersten Semester des Geschäftsjahrs 2018/19 einen schrumpfenden Umsatz. Die Aktien haben seit Jahresbeginn 22% verloren. Geht es nach den Leerverkäufern, ist der Boden noch nicht erreicht. Ähnlich schätzen die Short Seller die Lage bei Aryzta (ARYN 0.92 -2%) ein. Am Donnerstag wird über die dringend notwendige Kapitalerhöhung abgestimmt.

In den oberen Rängen finden sich weitere bekannte Namen wie der Solarzulieferer Meyer Burger (MBTN 0.4226 2.08%), der Backwarenhersteller Aryzta und der Reisedetailhändler Dufry (DUFN 83.1 -1.24%). Nicht immer werden Short-Positionen aus spekulativen Gründen eingegangen. Bei der Biopharmagesellschaft Basilea (BSLN 44.6 -1.37%) hängen die Leerverkäufe mit Absicherungsgeschäften wegen der Wandelanleihe zusammen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass AMS zuletzt einen Verlust auswies. Das ist nicht korrekt. Im dritten Quartal hat das Unternehmen einen Gewinn verzeichnet.

Leser-Kommentare

Tobias Schait 31.10.2018 - 11:58
Einiges steht in diesem Artikel m.E. etwas schräg in der Landschaft. Die Leerverkäufer machen sich bei Leerverkaufsquoten von über 20% keine Gedanken darüber, neue Aktien leer zu verkaufen, um den Kurs weiter zu drücken, sondern wie sie sich eindecken können. Kluge Leerverkäufer haben bei überteuerten Kursen z.B. von Aryzta (Sfr. 85), AMS (Sfr. 110) oder Meyer Burger (Sfr. 2) leer… Weiterlesen »