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Lem ist ein attraktiver NischenplayerAKTIENEXPOSÉ Der Komponentenhersteller hat die Rezession gut gemeistert – Wieder auf Wachstumskurs – Aktienoptionsprogramm belastet Erfolgsrechnung – Stattlich bewertete Titel

Corina Drack

Die Leistung, die das Genfer Unternehmen Lem während der Rezession erbracht hat, kann sich sehen lassen: Trotz deutlichem Umsatzrückgang konnte es die Betriebsgewinnmarge auch auf dem Tiefpunkt um 9% halten (ohne Kosten für Aktienoptionsprogramme). Gemäss Lem-Chef Paul Van Iseghem liegt das daran, dass die Krise früh erkannt wurde und bereits im November 2008 entsprechende Sparmassnahmen ergriffen wurden. Nun geht es wieder aufwärts, das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz (Book-to-Bill Ratio) von 1,14 Ende Februar deutet darauf hin, dass sich das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs befindet.

Für das Ende März 2010 abgeschlossene Geschäftsjahr prognostiziert Lem einen Umsatz, der näher bei 180 als bei 170 Mio. Fr. liegt, sowie 25 Mio. Fr. Betriebsgewinn vor Aktienoptionen (rund 14% Betriebsmarge). Das Ergebnis wird am 3. Juni veröffentlicht. Die Nischenstrategie hat sich in der schwierigen Zeit bewährt. Das Unternehmen entwickelt und produziert Strom- und Spannungswandler, die dort, wo es Strom braucht, zum Einsatz kommen. Lem verfügt in diesem Segment über eine führende Position und ist eine etablierte Marke. Die Absatzmärkte sind allgemeine Industrie, Energie und Automation, Bahntechnik sowie Automobil. Dabei sind nicht alle Märkte gleichermassen konjunkturabhängig. Während Lem im Auto- und im Industriemarkt deutliche Umsatzeinbussen erlitt, ging die Rezession in der Bahntechnik spurlos vorüber: Sie profitierte sogar von diversen Impulsprogrammen.

Energieeffizienz ist gefragt

Die Bandbreite der Anwendungen ist gross: Werkzeugmaschinen, Krane, Fahrstühle, EDV-Anlagen, Telekommunikation und Bahntechnik, um nur einige zu nennen. Dabei profitiert Lem davon, dass Energieeffizienz zunehmend gefragt ist. Dort setzen Lems Produkte denn auch an: Sie ermitteln den Stromverbrauch bedarfsgerecht und regeln den entsprechenden Energiezufluss.

Klein, aber fein

Die gute Marktstellung sowie die solide Bilanz lassen Lem konjunkturelle Stürme gut überstehen. Das Management hat zudem rasch mit Personalreduktion sowie Kurzarbeit in den Produktionsstätten Genf und Japan auf den sich abzeichnenden Abschwung reagiert. Zusätzlich half die gefestigte Position in China, wo die Konjunktur viel rascher wieder Tritt gefasst hat als in den anderen Weltregionen, bald aus der Talsohle herauszukommen.

Das Unternehmen setzt vorwiegend auf organisches Wachstum. Grösse um der Grösse willen sei nicht erstrebenswert, lieber klein, aber fein bleiben, sagt CEO Paul Van Iseghem, der altershalber zurücktritt und Anfang Juli das Zepter seinem Nachfolger François Gabella übergibt. Hat sich die Konjunktur normalisiert, soll eine jährliche Wachstumsrate von 13 bis 14% wieder möglich sein. Kleineren Zukäufen ist Lem dennoch nicht abgeneigt: Vergangenen Sommer wurde der Hersteller hochpräziser Strommessgeräte Danfysik mit einem Umsatzvolumen von 8 Mio. Fr. übernommen.Als eines von wenigen Unternehmen gewährt Lem den Mitarbeitern noch ein Aktienoptionsprogramm als Lohnbestandteil. Das Programm belastet dieses Jahr die Erfolgsrechnung erheblich. Der geschätzte Gewinn 2009/10 sinkt dadurch von 19 auf 13 Mio. Fr. Wir reduzieren daher die Prognose von 17 auf 11 Fr. Gewinn je Aktie. In Zeiten mit volatilem Kursverlauf hat diese Lohnkomponente beträchtlichen Einfluss auf die Erfolgsrechnung. Im Vorjahr, als die Valoren etwa zwei Drittel an Wert verloren, wurde die Erfolgsrechnung um 4,6 Mio. Fr. entlastet. Ob mit oder ohne Optionsprogramm, die Papiere notieren wieder auf dem Vor-Rezessions-Niveau und nehmen die Erholung vorweg. Kursschwächen bieten eine willkommene Gelegenheit, das Portfolio mit den attraktiven Nebenwerten zu ergänzen.

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