Nicht einmal die Totenruhe ist absolut: Napoleons Krypta im Pariser Invalidendom wird instand gesetzt; das verursacht Lärm und Staub. Anhaben kann das Bonaparte nichts. Sein Leichnam liegt in fünf ineinander verschachtelten Särgen – à la Matrjoschka –, eingelassen in diesen monumentalen Sarkophag. Gestorben war er auf der britischen Insel St. Helena im fernen Südatlantik; sein Todestag jährt sich am 5. Mai zum 200. Mal, daher die Liebesmüh. In die Heimat überführt wurden die sterblichen Reste 1840, hier gebettet 1861. Die bevorstehenden Bicentenaire-Feierlichkeiten gelten in Frankreich als eine «Commémoration délicate»; schliesslich ist ­Napoleons geschichtliche Bilanz zwiespältig. Er legte eine atemberaubende Karriere hin, vom Artillerieoffizier zum Kaiser, vom Herrscher über Europa zum Verbannten. Doch was ist denn sein Erbe – war er bloss ein kolossaler Condottiere? Ludwig van Beethoven hatte dem revolutionären Konsul ­Napoleon seine nicht minder revolutionäre dritte Sinfonie gewidmet. Doch als er 1804 vernahm, Napoleon habe sich die Kaiserkrone aufgesetzt, zerfetzte Beethoven wütend das Titelblatt der «Eroica» und rief, wie ein Schüler notierte: «Ist der auch nichts anderes, wie ein gewöhnlicher Mensch!»(Bild: Christophe Petit Tesson/EPA)