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Leonteq-CEO: «Wir haben erst einen Monat hinter uns»

Lukas Ruflin, Chef des Derivatspezialisten, erklärt im FuW-Interview, warum sich die Aussichten für das Unternehmen eingetrübt haben.

Das erste Jahresergebnis für Lukas Ruflin als CEO von Leonteq war gleich ein Rekord. Doch schon Ende 2018 kühlte sich das Geschäft ab. Der Derivatspezialist ist verhalten ins neue Jahr gestartet. Im FuW-Interview sagt Ruflin, wie sich das Geschäft weiter entwickeln kann.

Herr Ruflin, Sie haben für 2018 ein Rekordergebnis vorgelegt. Zeitgleich stürzt der Aktienkurs ab. Wie passt das zusammen?
Die Börse entscheidet immer selbständig und muss kurzfristig die Informationen verarbeiten. Wir sind natürlich erfreut über das Rekordergebnis 2018 und haben dem Kapitalmarkt ganz klar kommuniziert, dass wir eine langfristige Perspektive haben. Unser Geschäft unterliegt aber auch kurzfristigen Zyklen, wir hatten einen etwas verhaltenen Start ins neue Jahr. Es mag sein, dass der Kapitalmarkt das mitberücksichtigt.

Was sind die Probleme, die Ihnen zu Jahresbeginn begegnet sind und zu dem gedämpften Ausblick geführt haben?
Leonteq (LEON 32.58 -2.69%) an sich hatte Anfang Jahr keine internen Probleme zu meistern. Es herrschte bei den Kunden in den vergangenen Wochen reduzierter Optimismus, wenn es darum geht, sich neu in den Kapitalmärkten zu engagieren. Das wirkt sich auch auf die Handelsaktivitäten in den strukturierten Produkten aus und somit auf das Volumen auf unserer Plattform.

Vor allem in Asien sind Nachfrage und Ertrag zurückgegangen. Die Region gilt als Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft. Ist dieser Motor ins Stocken geraten?
Wegen des Handelsstreits zwischen den USA und China spürten wir in Asien früher als in anderen Regionen einen Rückgang der Kundennachfrage. Insbesondere dort kann sich das aber auch sehr schnell ändern.

Es ist schwierig, für Leonteq eine Prognose abzugeben. Einerseits ist der Kommissionsertrag von der Nachfrage nach strukturierten Produkten abhängig, anderseits wird der Handelsertrag von der Marktvolatilität bestimmt. Halten Sie dennoch an Ihrem Ertragsziel von 300 Mio. Fr. fest?
Absolut, 2018 waren unsere Einnahmen ja bereits über 280 Mio. Fr. Wir haben eine klare Strategie und setzen sie konsequent um. Dabei gibt es natürlich die von Ihnen angesprochenen Faktoren, die wir nicht gänzlich kontrollieren können. Möglicherweise wird es auch einmal ein Halbjahr geben, das unter dem Zielband liegt, dafür gibt es Halbjahre, wie gerade geschehen, die darüber liegen. Auch haben wir erst einen Monat von 2019 hinter uns, und es wäre verfehlt, auf dieser Basis einen Rückschluss auf das Gesamtjahr zu ziehen. Wir führen unser Geschäft natürlich so, dass wir auch kurzfristig eingreifen können, sollte es nötig sein.

Das heisst, sollte der Ertrag einbrechen, senken Sie die Kosten vor allem über Personalabbau?
Personalabbau steht für mich zurzeit nicht auf der Agenda. Zudem hätten wir für gewisse Szenarien mehrere Optionen, wie zum Beispiel Projekte, die mit externen Beratern gemacht werden, zu verzögern, sollte das nötig werden.

Das Projekt SHIP, das Leonteq in Zukunft Eigenkapital sparen soll, scheint auf Kurs. Wann gehen Sie damit live?
Wir haben dem Kapitalmarkt kommuniziert, dass wir für die Umsetzung noch mit zwölf bis achtzehn Monaten rechnen.

Sie setzen dabei auf Investmentbanken, die zukünftig die Gegenpartei für die Absicherung der strukturierten Produkte stellen sollen. Wer sind diese Banken?
Wir sind im Gespräch mit weltweit führenden Investmentbanken aus den USA, Europa und der Schweiz. Wir kommunizieren keine Namen.

Der Anleger hat aber weiterhin die Möglichkeit, auch Leonteq als Absicherungs-Gegenpartei zu wählen?
Das ist so, wir werden Absicherungspartei auf der SHIP-Plattform sein und selbstverständlich weiterhin eigene Produkte emittieren.

Sie haben 2018 die eigenen Produkte weiter ausgeweitet. Ihr Vorgänger Jan Schoch wollte sie einst zurückfahren. Sie haben sich nun davon verabschiedet?
Wir überlassen den Entscheid den Kunden, welches Papier zu welchem Zeitpunkt von welchem Anbieter sie aus unserem Angebot möchten. Und Leonteq-Papiere gehören zu diesem Angebot.

Leonteq ist vorsichtiger geworden, was neue Partner anbelangt. Werden wir in diesem Jahr neue Banken auf der Plattform sehen?
Wir geben die neuen Partner bekannt, wenn sie auch wirklich Produkte auf der Plattform anbieten. Aber gehen Sie davon aus, dass wir zuversichtlich sind, was potenzielle Partner anbelangt.

Punkto Dividende sind Sie noch zurückhaltender. Auf absehbare Zukunft soll es keine geben. Von welchem Zeithorizont sprechen wir?
Der Verwaltungsrat schlägt die Dividende der Generalversammlung vor. In diesen Prozess will ich nicht eingreifen. Als Aktionär unterstütze ich den Verwaltungsrat in seiner Empfehlung vollumfänglich. Ich denke, die Dividendenpolitik kann sich ändern, wenn die verschiedenen Initiativen, die die Abhängigkeit der Eigenkapitalverwendung reduzieren sollen – beispielsweise das Projekt SHIP –, umgesetzt sind.

Im Verwaltungsrat ist kürzlich der Raiffeisen-Vertreter Paulo Brügger ausgeschieden, nachdem er auch die Geschäftsleitung der Bank verlassen musste. Wann wird er ersetzt?
Ich möchte Paulo Brügger herzlich für seinen Beitrag zur Weiterentwicklung von Leonteq danken. Ich gehe davon aus, dass Raiffeisen bis zur Generalversammlung einen Vorschlag für seinen Ersatz machen wird.

Dem Abgang von Paulo Brügger bei Raiffeisen ging die Veröffentlichung des Gehrig-Berichts voraus. Darin wurden die Beteiligungen der Ära Vincenz unter die Lupe genommen. Inwiefern wurde Leonteq durchleuchtet, und sind dabei Unregelmässigkeiten aufgetaucht?
Auf Basis der uns zum Gehrig-Bericht vorliegenden Informationen gehen wir davon aus, dass die Akquisition und das Management der Leonteq-Beteiligung durch Raiffeisen Schweiz professionell und mit der gebotenen Sorgfalt gehandhabt wurden und keinerlei Mängel aufwiesen.

In der Vergangenheit haben Stimmrechtsberater das Vergütungsmodell Leonteqs als intransparent und kompliziert kritisiert. Sie haben es überarbeitet. Genügt es jetzt den Ansprüchen der modernen Corporate Governance?
Der Verwaltungsrat hat sich sehr intensiv mit der Kritik auseinandergesetzt und das Modell auch mit Unterstützung von renommierten Kompensations- und Corporate-Governance-Spezialisten überarbeitet. Eines der klar definierten Ziele war es, die Interessen der Geschäftsleitung und diejenigen unserer Aktionäre in Einklang zu bringen. Wir gehen davon aus, dass das neue Kompensationsmodell jetzt den Ansprüchen von unabhängigen Aktionärsvertretern nicht nur genügt, sondern sie sogar übererfüllt.

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