Libanon ist ein kleines Paradies: morgens Skisport, hier im Gebiet Faraya, auf 1200 bis 2000 Metern (in der Pause vielleicht ein Wasserpfeifchen schmauchen), dann in knapp einer Stunde nach Beirut runterfahren und an der Corniche bei einem Drink aufs Mittelmeer gucken – vielleicht sogar schwimmen gehen. Sozusagen eine Schweiz an der Levante, doch labil statt stabil. Die politische Elite ist (durchaus unschweizerisch) korrupt und hat abgewirtschaftet. Vor allem die Jugend fordert lautstark ein Ende des Postenschachers aufgrund von Religions- oder Clanzugehörigkeit. Misslingt die Erneuerung, wird das Land noch ärmer – zunächst an talentierten Menschen, die die Exit-Option wählen. Es wohnen gegen 8 Mio. Libanesen im Ausland (besonders in Lateinamerika), mehr als in der Heimat. In der weiten Welt sind viele von ihnen sehr erfolgreich. Libanesischer Herkunft sind etwa Carlos Slim, Mexikos Telecom-Tycoon, die brasilianische Bankiersfamilie Safra, der amerikanische Intellektuelle Nassim Nicholas Taleb, die kolumbianische Sängerin Shakira, der brasilianisch-französische Automanager Carlos Ghosn (unlängst Japans Justiz entflohen). Last but not least: die Uhren-Dynastie Hayek – urschweizerisch. (Bild: Bilal Hussein/AP Photo/Keystone)