Luxus / Automobil 14:18 - 30.03.2017

Lexus RC F

Dieses Sportauto wird ein Exot bleiben – dabei hätte es durchaus mehr Beachtung verdient.

Irgendwie muss man den Lexus RC F einfach gern haben. Allein schon, weil man ihn ja kaum je zu sehen kriegt. Ausserdem sieht der RC F auch noch so aus, dass man ihn mögen muss – er ist adrett, er ist anders, er ist nicht «mainstream». Eigentlich möchte er ja auch gern ein Sportwagen sein, ist es aber nicht.

Er hat zwar Muskeln und Kanten, und doch will man ihn auf den ersten Blick nicht in die Porsche-Aston-Fraktion einordnen, mehr so: Mittelklasse-Coupé. Was auch damit zusammenhängt, dass es halt auch noch einen recht langweiligen Bruder namens RC200t gibt – und Lexus mit dem LC500 bald noch ein Modell im Angebot hat, das dem RC F sehr ähnlich ist. Auf auch nur annähernd gewinnbringende Verkaufszahlen kommen beide nicht.

Unter der langen Haube arbeitet der bekannte 5-Liter-V8, er kommt freisaugend auf 477 PS bei stolzen 7100/min, das maximale Drehmoment von 530 Nm liegt zwischen 4800 und 5600/min an. Das bedeutet: Die Maschine muss bei Laune gehalten werden.

Und das ist gut so, denn der V8 entwickelt das, was man als «beautiful noise» bezeichnen darf. Für einen Japaner, diese Zen-Meister der Zurückhaltung, ist er akustisch wirklich: wild. Schönes Röhren bei tieferen Drehzahlen, grobes Brüllen so ab 5000 U/min, beim Zurückschalten schmeissen die Algorithmen der Elektronik die Fehlzündungen rein.

zoom Bild: Peter Ruch

Eine saubere Automatik

Der Wagen hat eine saubere Achtgangautomatik – und die ein Beweis ist dafür, dass die Tage dieser Wandler trotz Doppelkupplungsgetriebe noch nicht gezählt sind. Denn sie kann ganz gut sportiv, und wenn man nur gleiten will, dann ist sie vom Feinsten, ruckfrei, geschmeidig.

Ja, das kann er wunderbar, der Lexus, dieses Gleiten. Auch bei hohen Geschwindigkeiten, Landstrassen, Autobahnen. Klar kann man auch bei diesem Japaner die Knöpfchen drücken, die ihn versteifen und die Lenkung schwergängiger machen und Gangwechsel flotter und das Ansprechverhalten spitzer, doch der Lexus tut das eigentlich nur deshalb, weil er muss; so richtig wohl scheint er sich dann nicht zu fühlen, wenn man ihm das Brachiale abverlangt. Auch ist sein Fahrwerk dann bockig. Wer in der Basiseinstellung bleibt, dem dankt es der RC F mit einer sehr sauberen Balance. Und einem Fahrverhalten, das leicht vorhersehbar ist.

Warum der Lexus fast 1,9 Tonnen schwer sein muss, ist schwer zu erklären – an der 2+2-Konstellation kann es nicht liegen, das können andere auch mit 300, 400 Kilo weniger. Im Japaner können hinten zur Not aber wirklich auch mal zwei Kinderchen sitzen, wenn sie denn den Weg dorthin finden. Ohne Kinder lässt er sich auch auf der Rennstrecke schön problemlos schnell bewegen, keine Zicken, keine Überraschungen.

Am Berg ist er weniger der Renner. Trotzdem: Man muss ihn einfach gern haben, auch wenn er nicht dringend auf der letzten Rille bewegt sein will. Dafür hat er auch noch einen brauchbaren Kofferraum, er ist also durchaus alltagstauglich, eignet sich alleweil für ein langes Weekend zu zweit.

zoom Bild: Peter Ruch

Es fehlt an der Designsprache

Dies «Gernhaben» wird allerdings dann etwas schwierig, wenn man sich im Innern umschaut. Alles edel, schöne Materialien, sauber verarbeitet; ist schliesslich ein Lexus. Doch wir sehen das Problem, dass wohl mehrere Designer an der Innenraum-Gestaltung mitgearbeitet und sich nicht abgesprochen haben.

Man wollte Gutes tun – und tat des Guten zu viel. Alcantara, rotes Leder, Karbonoptik, fieser Plastik, weisse Nähte, blaue Nähte; das Auge kommt nicht zur Ruh’, kann sich nirgends festhalten. Da muss irgendwann etwas geschehen bei Lexus, da ist die deutsche Konkurrenz weit enteilt, und die Ausrede, dass der amerikanische Markt das so verlangt, gilt schon seit Jahren nicht mehr.

Zeitgemäss ist nämlich auch das Bediensystem nicht mehr. Und ein Navi, dass eigentlich dauernd fünf Meter neben der Strasse fährt, das nervt auf Dauer auch; da braucht es dann viel «Gernhaben», um das noch akzeptieren. Die Sitze sind gut, auch auf längeren Strecken.

Aber reden wir doch noch von Geld. In der Schweiz gibt es so einen Lexus RC F ab 91 500 Fr. Das ist in Anbetracht von Qualität, Verarbeitung, Antrieb ein mehr als nur fairer Preis, besonders dann, wenn man dies mit den Basispreisen von Porsche 911 und Audi R8, auch vom Jaguar F-Type vergleicht, auch von einem Nissan GT-R ist der RC F einen Kleinwagen entfernt – und dann auch in der Basis schon komplett ausgestattet.

So betrachtet ist der Lexus ein wahres Schnäppchen. Andererseits: Der Wiederverkaufswert eines RC F dürfte eher erschreckend tief liegen, etwas, was für einen Porsche 911 wohl nicht gilt. Aber dafür sieht man den Lexus im Gegensatz um 911er nicht an jeder Strassenecke – auch dafür darf man ihn gern haben.

zoom Bild: Peter Ruch

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