Unternehmen / Industrie

China befördert Schindler nach oben

Schindler installiert zwei Drittel aller neuen Lifte in China, die Wachstumschancen bleiben beeindruckend. Von der Konkurrenz hebt sich der Schweizer Konzern durch seine Spitzentechnologie ab.

Die Zahlen sind überwältigend. In China allein wurden im vergangenen Jahr mehr als 70% der neuen Aufzugsanlagen installiert, in China und Indien zusammen gar mehr als 85%. In der Region Asien/Pazifik fielen im letzten Jahr 77% der globalen Nachfrage nach Aufzügen und Fahrtreppen an, weiteres Wachstum stammte vorwiegend aus der Golfregion. Inzwischen beträgt der Umsatzanteil von Schindler (SCHP 227.8 0.13%) aus Asien 25%, zwei Drittel der Neuanlagen werden in China installiert. Die ehemals wichtigsten Regionen Europa und USA glänzen fast nur noch mit Serviceaufträgen.

Die Aussichten der Gruppe für China sind ebenfalls beeindruckend. Grosse ­In­frastrukturprojekte werden weiterhin von der Regierung forciert: Das Verkehrsnetz wird rasch erweitert, Hunderte von Flughäfen und Bahnhöfen werden in den nächsten Jahren gebaut, das Marktpotenzial für Schindler ist gross. Eine Übertreibung ist nicht abzusehen, denn in China gibt es erst rund 180 Flughäfen – in den USA 5000.

Die dritt- und die viertrangigen Städte werden entwickelt und Wohnungen – notabene in vielstöckigen Häusern – gebaut. Die Regierung spricht von rund 5 Mio. Wohnungen pro Jahr allein im sozialen Wohnungsbau, was eine Nachfrage nach rund 100 000 Liften auslöst. Die alternde Bevölkerung und der steigende Konsum – resp. der entsprechende Bedarf an Einkaufszentren und Freizeitinfrastruktur – unterstützen den «Megatrend».

Kein Wunder, baut Schindler im Stadtteil Jiading in Schanghai einen neuen Campus mit 200 Meter hohem Testturm, einer Aufzugs- und einer Fahrtreppen­fabrik, Forschungs- und Entwicklungsstätten sowie einem Ausbildungszentrum und einem Showroom. Auch die Zentrale für China und den gesamten Asien-Pazifik-Raum soll auf dem 300 000 m² grossen Gelände im Nordwesten Schanghais zu liegen kommen.

Hohe Investitionen

Das Unternehmen hat in den letzten zwei Jahren die Zahl der lokalen Niederlas­sungen in China 40% erhöht und die geografische Präsenz bereits massiv ausgebaut. Jiading ist eines der wichtigsten ­Investitionsprojekte von Schindler in den letzten Jahren, nicht nur in Bezug auf ­Kosten und Grösse, sondern auch auf die strategische Relevanz.

Schindler war das erste westliche Industrieunternehmen, das, 1980, in China ein Joint Venture gründete. Heute ist Schindler im Aufzugs- und Fahrtreppengeschäft unter den grössten Playern auf dem chinesischen Markt, Ziel ist Platz eins oder zwei. Zu den schärfsten Konkurrenten gehören Otis, Kone (KNEBV 54.3 2.07%) und Mitsubishi, aber auch chinesische Anbieter wie Canny Elevator oder Shenyang Brilliant Elevator.

Konnte Schindler in China vom Früheinsteigerbonus profitieren? Silvio Napoli, Präsident Asien Pazifik Schindler, erklärt: «Wir geniessen schon einen bestimmten Goodwill. Alle kennen uns. Aber insgesamt ist eher von einem Früheinsteigermalus zu sprechen. Wir starteten als SOE, also als staatliches Unternehmen. Unsere Firmenstruktur war wenig agil, vor allem in Bezug auf die operative Struktur des Unternehmens und wie wir neue Produkte einführten.»

Kein Pionier-Bonus

Konkurrenten, die später direkt als WOFE – Wholly Owned Foreign Enterprise – oder als Joint Venture mit einer Mehrheits­beteiligung in den chinesischen Markt eintraten, waren flexibler. Schindler hat den WOFE-Status erst 2001 erhalten. Das führte zu Verzögerungen, und gemäss ­Napoli konnte Schindler erst im Anschluss einen ehrgeizigen Wachstumsplan in China verfolgen.

Der Aufzugs- und Fahrtreppenmarkt ist in den letzten Jahren – nicht nur in China – deutlich schneller gewachsen als die Weltwirtschaft. «Die Urbanisierung macht unseren Markt so erfolgreich», sagt Napoli. Zum ersten Mal in der Geschichte lebten weltweit und in China mehr Menschen in Städten als auf dem Lande.

Megatrend Urbanisierung

Der Urbanisierungstrend werde noch zwanzig bis dreissig Jahre weitergehen, bevor er drehe. «Solange er anhält, wird die Lift- und Fahrtreppenindustrie gleich schnell oder schneller wachsen als die Wirtschaft insgesamt.» In China schreite die Urbanisierung vor allem auch in den dritt- und den viertrangigen Städten rasch voran, dort gebe es einen riesigen Markt für Schindler.

Gemäss Napoli ist China in Bezug auf jeden einzelnen Indikator der grösste Markt der Welt. Jedes Unternehmen der Aufzugsbranche müsse zwingend die Ambition haben, in China erfolgreich zu sein. Das sei jedoch eine langfristige Anstrengung. Als Schweizer Unternehmen strebe Schindler Qualität, Zuverlässigkeit und Innovation an. Napoli betont: «Wir sind nicht besessen vom Ziel, innerhalb einer bestimmten Zeit Nummer eins in China zu werden – aber wir sind zuversichtlich, dass wir es mit unserer Arbeitsweise schaffen werden.»

Schindler wird in China weiter wachsen, die notwendigen Investitionen für die Zukunft finden statt. Und das Unternehmen hat in den letzten Jahren schon viele Plätze in der Rangliste gutgemacht.

Leser-Kommentare

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.