Markttechnik / R. Vogt

Lindt & Sprüngli und Swatch Group

Die Wedge bei LISP gehört wahrscheinlich zu dem Ende Juni gestarteten Trendsegment. Bei Swatch Group bezieht sich die Wedge auf das im Februar bei 370 Fr. begonnene Trendsegment.

Roland Vogt

Im Tageschart von Lindt & Sprüngli (LISN 99'300.00 -0.70%) (LISP) ist eine Wedge zu erkennen. Dieses Muster ist die wuchtigste Preisstruktur, die ich kenne. Sie entsteht auf den letzten Metern eines noch bestehenden Trends und zieht das Leiden der ungünstig Positionierten in die Länge. Im Unterschied zur Zeit vor der Wedge, die von einem schlichten, aber klaren Trend geprägt ist, kommt es innerhalb der Wedge immer wieder zu Irritationen. Die Kurse erholen sich, was den Anschein einer Trendwende erweckt, aber doch nur eine Fata Morgana ist. Nach der kurzen Erholung kommt es zu einem neuen Tief.

Nach gewisser Zeit wird die Wedge dann aktiviert. Wenn sie zwei Monate lang gedauert hat, sind die Aktienkurse dann innerhalb von zwei Wochen wieder am Ausgangspunkt zurück. Die Ausfallbewegung aus einer Wedge heraus ist meist sehr schwungvoll.

Zur Wende noch nicht bereit

Die Wedge bei LISP gehört wahrscheinlich zu dem Ende Juni gestarteten Trendsegment. Sie wird diesen Trend terminieren, was voraussichtlich eine grössere Erholung einleiten wird. Um langfristig eine neue Aufwärtsbewegung einzuleiten, müsste die Wedge grösser sein.

Was noch nicht ist, kann später werden. Oft finden bei solchen Strukturen Verkapselungen statt: Zuerst ist nur eine kleine Wedge zu erkennen, erst später ein jetzt noch unsichtbares grösseres Muster. Das bräuchte es auch, um die These zu vertreten, dass hier eine nachhaltigere Wende im Gange ist. Im Moment darf aber zumindest davon ausgegangen werden, dass LISP in einem ersten Schritt gegen 4900 Fr. anziehen wird – und in einem zweiten gegen 5000 Fr. Dann wäre die Sache  nochmals neu zu beurteilen.

Erholung verliert an Kraft

Um Swatch Group (UHR 225.30 -0.88%) haben wir uns an dieser Stelle in den vergangenen Monaten schon mehrmals gekümmert: das erste Mal zur Jahresmitte, als sich eine Falling Wedge auszubilden begann. Sie erinnern sich vielleicht, wie quer die positive Einschätzung zur zukünftigen Preisentwicklung damals in der Landschaft zu stehen schien. Gründe dafür waren schwierig zu finden – ganz anders als heute. Weshalb muss man «die Gründe» kennen, und ist das überhaupt möglich oder nur Augenwischerei? Wenn es einen klipp und klar erkennbaren Kaufgrund gäbe, würde dann jemand die Aktie auf dem Tief verkaufen?

Bei Swatch Group bezieht sich die Wedge auf das im Februar bei 370 Fr. begonnene Trendsegment, und zu erwarten waren Kurse um 300/310 Fr. Das punktgenaue Zielniveau spielt zunächst keine Rolle, nur die anstehende Richtungsänderung. Tatsächlich schwächen sich nun die qualitativen Parameter ab. Wer die Aufwärtsbewegung seit Juli mitgemacht hat, der sollte sich nun jemanden suchen, der soeben Kaufgründe gefunden hat.