Meinungen

Linke Füsse

Die Grossbanken stolpern von Skandal zu Skandälchen. Wer investieren will, muss damit leben lernen. Ein Kommentar von FuW-Ressortleiter Jeffrey Vögeli.

«Genau deshalb handeln CS und UBS auch nach einem guten Jahr nicht über Buchwert.»

Es läuft überraschend gut bei den Grossbanken. Im Coronajahr brachten Beratungsbedarf und Rekordvolumina an den Börsen hohe Einnahmen. 2020 wurde bei vielen Instituten das beste Jahr in einer Dekade. Wie Credit Suisse (CSGN 5.21 -4.09%) zudem diese Woche meldete, setzt sich die gute Entwicklung auch im neuen Jahr fort. Die grosse Finanzkrise von 2008 liegt sehr weit zurück.

Dennoch scheinen die Banken und ihre Lenker auf linken Füssen durch die Welt zu stolpern. Kaum scheint es, als könnte ein Institut endlich seine Stärken ausspielen, kommt es wieder zu einem Ausrutscher. Manche davon sind bloss ungeschickt oder peinlich: So der Fall des frischgebackenen UBS-Chefs Ralph Hamers, der sich für seine ersten vier Monate im Job mit 4,2 Mio. Fr. entschädigen liess. Ähnlich einzuordnen ist das Verhalten von Goldman-Sachs-Chef David Solomon, der sich gern abschätzig über Banker im Home Office äussert, selbst aber den Firmenjet für Wochenendtrips nutzt.

Solche Eskapaden kosten die Aktionäre Geld, erschüttern aber nicht das Vertrauen in ein Unternehmen. Anders bei Credit Suisse, wo durch die Verbandelung mit Greensill Capital möglicherweise auch Kundengelder in Mitleidenschaft gezogen werden. Wie so oft ist es ein kleiner Teil des Geschäfts, der nun auf der Stimmung aller Stakeholder lastet, nachdem es offenbar am Willen mangelte, eine viel zu schöne Geschichte zu hinterfragen. Auch wenn die Verantwortlichen Besserung geloben werden – Ähnliches wird wieder passieren, bei dieser und anderen Banken. Das ist ein Grund dafür, dass CS und UBS (UBSG 15.91 -1.06%) auch nach einem guten Jahr nicht über Buchwert handeln. Es ist auch der Grund dafür, weshalb Aktionäre weiterhin viel Geduld aufbringen müssen, unabhängig davon, wie gut das eigentliche Geschäft läuft.

Leser-Kommentare

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Christoph Saetteli 18.03.2021 - 19:56
Eine Grossbank ist eigentlich ein hedge Fonds mit Staatsgarantie. Das begünstigt das Eingehen von Risiken, weil das systemische Risiko an den Steuerzahler externalisiert wird, siehe Finanzkrise. Heute ist die Kapitalisierung auf Stufe hartes Eigenkapital zwar besser und mit den COCO Bonds ein weiterer Stossdämpfer eingebaut. Man darf sich jedoch punkto Kursentwicklung keine Illusionen machen, da der grösste Teil der Ertragskraft… Weiterlesen »
Ludwig Fisch 22.03.2021 - 17:28

Hände weg von Bankaktien