Meinungen

Liquidität bringt Stimmung

Die lockere US-Geldpolitik bringt zwar kein strukturelles Wachstum in den Schwellenländern, aber etwas Erleichterung. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Anleger bringen langsam wieder Liquidität in die Schwellenmärkte zurück.»

Die Schwellenländer wurden als grosse Wachstumsbringer angepriesen. Doch ausser China wird dieses Jahr kein wichtiger Emerging Market das Bruttoinlandprodukt steigern. Zudem sind in der Volksrepublik jede Menge Tricks im Spiel. Zwar werden die Länder langfristig wohl auf ihren Wachstumspfad zurückfinden, doch war dieser schon vor der Pandemie enttäuschend. Ob Brasilien, Indien, Türkei oder Russland: Ausländische Investoren fordern hohe Risikoprämien und verabschieden sich schnell aus einem Markt, wenn es unsicher wird.(Lesen Sie hier mehr.»)

Deswegen ist eine noch für lange Zeit lockere Geldpolitik der US-Notenbank ein Segen für diese Länder. Investoren lechzen nach etwas Rendite, sie bringen langsam wieder Liquidität in die Schwellenmärkte zurück. Trotz des massiven Wirtschaftseinbruchs und wenig Hoffnung auf eine schnelle Erholung zum Vorkrisenniveau kommt bei den Anlegern wieder Stimmung auf.

Die Notenbanken der Emerging Markets sind grossteils nicht unabhängig – ihre Geldpolitik ist eng mit der Dollar­liquidität verbunden. Industrieländern ist ein schwacher Dollar ein Dorn im Auge. Für Schwellenländer gilt dagegen, dass die Vorteile einer sich abwertenden US-Valuta überwiegen.

Um Kapital ins Land zu locken, muss eine Prämie zum amerikanischen Zinsniveau gezahlt werden. Und die US-Zinsen werden noch auf Jahre hinaus niedrig bleiben. Die Schwellenländer haben dadurch die Möglichkeit, ihre Wirtschaft geldpolitisch zu stimulieren. Das ist zwar nicht das versprochene strukturelle Wachstum, aber immerhin sollte es etwas Performance bringen.