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Loanboox steigt ins Geschäft mit Anleihen ein

Das Fintech-Start-up hat bisher Milliarden Franken an Krediten vermittelt. Bald können Gemeinden, Kantone und Unternehmen auch Anleihen über die Plattform emittieren.

Valentin Ade

Eines der erfolgreichsten Fintech-Start-ups der Schweiz stösst in einen neuen Markt vor. Loanboox, eine Plattform, über die Städte, Gemeinden, Kantone und Grossunternehmen Kredite von Banken, Versicherungen und Pensionskassen vermittelt bekommen, bietet bald auch die Möglichkeit, Anleihen in Eigenregie zu emittieren.

«Der bisherige Prozess ist intransparent, teuer und dauert zu lange», sagt Stefan Mühlemann, Gründer und CEO von Loanboox, im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft». Will eine Gemeinde oder eine private Gesellschaft sich über eine Anleihe finanzieren, ist sie heute auf ein Emissionshaus angewiesen. Credit Suisse (CSGN 15.1 -0.1%), UBS (UBSG 15.14 0.07%) und die Zürcher Kantonalbank sind die drei grossen Anlaufstellen in der Schweiz.

Transparenter Prozess

Die Banken beraten den Emittenten, kontaktieren Investoren, legen den Zins fest, emittieren die Anleihe, wickeln die Zahlungen ab und kotieren das Wertpapier. Dieser Prozess bedarf einerseits viel Koordinationsaufwand, vorwiegend über Telefon und E-Mail, teilweise noch via Briefkontakt. Andererseits ist er für Emittenten und Investoren «eine Black Box», sagt Mühlemann. «Auf beiden Seiten stehen Fragezeichen, wie der Coupon und manchmal auch das zugeteilte Volumen zustande kommen.»

Die Bank vertritt dabei gegenläufige Interessen: Der Emittent will möglichst günstig Kapital aufnehmen, der Investor will einen möglichst hohen Zins. Und die Bank hat möglicherweise selbst auch Investitionsinteresse.

So kann der ganze Prozess bei einer Anleihe von rund 100 Mio. Fr. auf zehn Jahre den Emittenten über eine halbe Millionan Gebühren kosten. «Wir machen den Prozess mit einem Bieterverfahren vollkommen transparent», sagt Mühlemann. «Durch die Digitalisierung des Prozesses werden Intermediäre überflüssig, und wir halbieren die Emissionskosten.»

Banken werden zu Zahlstellen

Und so soll es funktionieren: Gemeinden, Kanton und Unternehmen können über ihr gewohntes Benutzerkonto bei Loanboox eine Anleihenemission zusammenstellen. Wunschvolumen und Laufzeit werden angegeben. Jahresrechnungen, Bonitätsrating, Prospekt und weitere Dokumente können für die Investoren hochgeladen werden. Das Datum des Bookbuilding wird fixiert, Gebühren an Loanboox, Zahlstellen und für die Kotierung werden transparent angezeigt.

Die Investoren werden sodann auf die bevorstehende Emission und den Zeitpunkt der Buchöffnung hingewiesen. Sie können Zeichnungen einlegen, sprich gewünschtes Volumen und Zins angeben. Dabei werden die Angebote der anderen Investoren in anonymisierter Form allen Seiten angezeigt.

Nach dem Bookbuilding kann sich der Emittent in einer vorgegebenen kurzen Frist endgültig entscheiden, wie viel Kapital er effektiv aufnehmen will. Der Zins orientiert sich dabei am günstigsten Investorenangebot für das jeweilige Volumen.

Die Banken, sofern sie nicht selbst Investoren auf Loanboox sind, braucht es im Emissionsprozess allein noch als Zahlstellen, über die die Eigenemission durch die Emittentin abgewickelt wird. Falls die Kotierung der Anleihe an der SIX Swiss Exchange gewünscht wird, übernimmt dies eine kapitalmarkterfahrene Anwaltskanzlei.

2017 wurde an der Schweizer Börse ein Umsatz von rund 129 Mrd. Fr. mit Frankenanleihen erzielt. Von Januar bis März wurden am Schweizer Primärmarkt Anleihen über 15,5 Mrd. Fr. begeben.

Weitere Länder sollen folgen

Die Loanboox-Pilotemission mit einem öffentlich-rechtlichen Emittenten soll im Spätsommer stattfinden. «Es handelt sich um einen etablierten Namen, der bereits einige Bonds ausstehen hat», sagt Mühlemann. Insgesamt haben bereits drei Emittenten ihre feste Absicht erklärt, das neue Angebot von Loanboox zu nutzen. Die Plattform zielt auf Emissionsvolumen von jeweils über 100 Mio. Fr.

Zunächst will Loanboox mit dem Angebot in der Schweiz starten und es danach in die Auslandmärkte bringen. Zurzeit ist sie in Deutschland tätig, steht kurz vor dem Start in Österreich und will im dritten Quartal auch in Frankreich ihr Angebot lancieren. Weitere Länder sollen folgen.

Seit September 2016 ist Loanboox am Start. Bis anhin wurden über die Plattform Finanzierungen von über 12 Mrd. Fr. nachgefragt. Sie wird von 800 Kreditnehmern und 300 Kapitalgebern genutzt. Damit gehört Loanboox zu den am schnellsten wachsenden Schweizer Fintech-Start-ups und wurde in diesem Jahr mit dem Swiss FinTech Award ausgezeichnet.

Aktuell befindet sich das Unternehmen in einer Finanzierungsrunde, die Gewinnschwelle hat es noch nicht erreicht. Der Börsengang könne längerfristig eine Option sein, heisst es bei Loanboox, im Moment sei es dafür allerdings noch zu früh.

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