Meinungen

Löhne sind Preise

Gegen die Einführung von Mindestlöhnen in Deutschland regt sich nach den Wahlen kaum noch Widerstand. In der Schweiz dagegen ist eine harte Debatte angelaufen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Manfred Rösch.

«Der beste Weg zu einer Lohnerhöhung ist die Steigerung der Produktivität, der schlechteste ein obrigkeitlicher Erlass.»

Der Preis für Arbeit heisst Lohn statt einfach nur Preis – das verwirrt die Geister. Löhne folgen, wie alle anderen Preise, den Gesetzen von Angebot und Nachfrage. Setzt der Staat gegen den Markt Preise fest, ist das unwirksam bis kontraproduktiv, schädliche Nebenwirkungen jedenfalls sind garantiert.

Kanzlerin Merkel wird in Deutschland gegen jede Evidenz Mindestlöhne einführen. Sei es wenigstens abgestuft nach Wirtschaftszweigen und Gebieten, wie es ihre CDU (in einer versunkenen Epoche die Partei Ludwig Erhards) erwägt. Sei es bundesweit uniform, als Preis für die Koalitionsbereitschaft der SPD. Deren Problem ist ja nicht, dass Merkels Union so abgrundtief anders wäre als die Sozialdemokratie, sondern dass sie ihr so ähnlich ist.

Nun sind die zuletzt lendenlahmen Liberalen – die ihren Widerstand gegen den Mindestlohn schon aufzuweichen begannen – aus dem Bundestag geflogen. Diesem ordnungspolitischen Sündenfall wird sich somit niemand mehr entgegenzustellen wagen. Zum Schaden von Deutschlands Arbeitsmarkt und Wettbewerbsfähigkeit.

In der Schweiz schon. Der Ständerat hat als Erstrat am Dienstag die Mindestlohn-Initiative der Gewerkschaften abgelehnt, ohne Gegenvorschlag. Der Nationalrat dürfte auch so entscheiden. Zwar kann das Schweizer Volk nächstes Jahr dennoch 4000 Franken als Mindestlohn verfügen, doch selbst der «Souverän» kann keinen Unternehmer dazu zwingen, zu diesem Preis Arbeitsleistungen einzukaufen, für die er bisher weniger bezahlt hat. Also werden die Arbeitslosenraten steigen.

Eine schöne Lohnerhöhung ist was Feines. Für diejenigen am untersten Ende der Lohnskala wie auch für den streckenweise seit Jahren auf Diät gesetzten Mittelstand. Der beste Weg dazu ist die Steigerung der Produktivität, der schlechteste ein obrigkeitlicher Erlass. Es ist für jedes einzelne Unternehmen herausfordernd genug, im täglichen, häufig internationalen Wettbewerb die Preise (auch für die Arbeit) zu kalkulieren. Masst sich der Staat dieses Wissen an, geht’s schief.

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