Märkte / Devisen

Lohnt sich Sparen noch?

Monatliche Zinskurve Schweiz: Perioden tiefer Zinsen sind nicht unbedingt schlechte Zeiten für Sparer.

Maxime Botteron, Credit Suisse

Negativzinsen! Was Ökonomen lange für unmöglich hielten, ist in der Schweiz Realität. 75 Basispunkte (Bp) verlangt die Schweizerische Nationalbank (SNB (SNBN 6'100.00 -0.97%)) von den Banken auf Einlagen bei ihr, und die Banken beginnen, diesen Malus weiterzugeben. «Eidgenossen» – also Schuldscheine des Bundes – rentieren wiederum in den meisten Durationen schon länger negativ. Keine Frage, derzeit sind die nominalen Zinsen hierzulande historisch tief. Schlechte Zeiten für Sparer also? Nein, denn häufig geht vergessen, dass für Sparer nicht die nominalen Zinsen relevant sind, sondern die realen.

Schliesslich interessiert, wie viele Güter und Dienstleistungen man mit seinem Geld kaufen kann, und nicht der nominelle Zusatzgewinn an sich. Und dank der negativen Teuerung nimmt die Kaufkraft des Gelds momentan zu. Vor allem importierte Güter werden wechselkursbedingt markant günstiger. Alles in allem dürften die Konsumentenpreise dieses Jahr um mehr als 1% sinken. Die realen Zinsen – also die um die Kaufkraft bereinigten – sind dann auch im historischen Vergleich hoch. Statt 0,1% wie im langfristigen Durchschnitt erhält man derzeit je nach Anlageform um 1% realen Zins – also rund zehnmal mehr Kaufkraft.

Das Dilemma der SNB

Sparen lohnt sich! Das Paradox aus rekordtiefen nominalen und beinahe rekordhohen realen Zinsen ist das Resultat des Dilemmas, in dem die SNB derzeit steckt. Die hohen realen Zinsen deuten nämlich auf eine zu restriktive Geldpolitik hin. Eigentlich sollte die SNB ihre Geldpolitik lockern, um die Inflation wieder in den positiven Bereich zu bringen. Eine Lockerung der Geldpolitik ist aber im heutigen Umfeld schwierig, da die geldpolitischen Optionen fast vollständig ausgereizt sind. In der kleinen offenen Volkswirtschaft Schweiz ist eine Lockerung der Geldpolitik bzw. ein Anstieg der Inflation in der heutigen Ausgangslage eigentlich nur durch eine Abwertung des Wechselkurses möglich. Grundsätzlich gibt es zwei Optionen, den Franken zu schwächen.

Erstens gibt es den Kauf von Fremdwährungen und zweitens tiefere Zinsen. Fremdwährungskäufe an sich haben aber einen Haken: Die SNB möchte ihre Bilanz nicht mehr unkontrolliert aufblähen. Daher wäre ein sogenanntes FX-QE – quantitative Lockerung (Quantitative Easing, QE) über den Devisenmarkt – wie es der Internationale Währungsfonds jüngst vorgeschlagen hat, eine interessante Alternative. Hierzu kauft die SNB regelmässig definierte Summen an Fremdwährungen mit dem Ziel, die Frankengeldmenge zu vergrössern. So wären etwa Devisenkäufe im Wert von rund 8 Mrd. Fr. pro Quartal notwendig, damit die Ausweitung der hiesigen Geldmenge im gleichen Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt zunimmt wie in der Eurozone im Rahmen des QE-Programms (Anleihenkäufe) der Europäischen Zentralbank.

Aufwertungsgefahr

Die SNB hätte beim FX-QE zwar das Bilanzwachstum unter Kontrolle, wie stark der Franken tatsächlich abwertet, ist ungewiss. Zinssenkungen sind nicht ohne weiteres möglich. Sind die nominalen Zinsen zu negativ, flüchten Sparer in Bargeld und entziehen der Wirtschaft Liquidität. Flankierende Massnahmen müssten dieses Horten verhindern. Zudem könnten Zinssenkungen den Franken sogar stärken, weil Aufwertungserwartungen steigen könnten.

Ausländische Investoren müssten quasi für die tieferen Zinsen kompensiert werden. Angesichts der Risiken und Nebenwirkungen dürfte die SNB beide Massnahmen, FX-QE und weitere Zinssenkungen, erst in Betracht ziehen, wenn der Franken Richtung Parität aufwertet und die Teuerung noch negativer wird.