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Spekulationen treiben Nestlé und L’Oréal

Rasche Veränderungen sind nach dem Tod von Liliane Bettencourt ein eher unwahrscheinliches Szenario.

Die Nachricht vom Tod der L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt hat am Freitag den Aktienkurs des französischen Kosmetikkonzerns befeuert. Nestlé (NESN 103.86 0.99%) gaben nach anfänglichen Gewinnen etwas Boden preis. Investoren bezogen Position in L’Oréal (OR 261.3 0.27%) und Nestlé, um gewappnet zu sein, sollte Nestlé die Beteiligung von 23% an der Nummer eins im Kosmetiksektor überdenken. Die Verbindung besteht seit den Siebzigerjahren. Im L’Oréal-Verwaltungsrat ist Nestlé mit VR-Präsident Paul Bulcke und Béatrice Guillaume-Grabisch, CEO von Nestlé Deutschland, vertreten. Vor drei Jahren hat Nestlé den Anteil abgebaut.

Ein damals erneuerter und ergänzter Vertrag zwischen der Gründerfamilie Bettencourt und Nestlé sieht vor, dass beide Seiten ihren Anteil frühestens sechs Monate nach dem Ableben von Liliane Bettencourt erhöhen können. Verkaufen können beide Parteien ihre Anteile dagegen jederzeit.

Eine rasche Veränderung im Verhältnis ist dennoch kaum zu erwarten. Ein Nestlé-Sprecher drückt «der Familie Bettencourt und allen bei L’Oréal aufrichtiges Beileid und tiefes Mitgefühl» aus. Für weiterführende Stellungnahmen sei «nicht der richtige Zeitpunkt». Die Familie Bettencourt bekräftigte ihre Unterstützung für L’Oréal und ihr Vertrauen in den Konzernlenker Jean-Paul Agon.

Nestlé hat keinen zusätzlichen Mittelbedarf, auch nicht für potenzielle Zukäufe. Die Familie stützt den Status quo.

Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) erwartet, dass sich «vorerst nichts ändert». Nachdem Nestlé die Beteiligung L’Oréal bereits 2014 reduziert habe, sei eine Aufstockung nun unwahrscheinlich. In den kommenden Jahren werde Nestlé die Beteiligung, die die ZKB als finanziell einstuft, «sehr wahrscheinlich» weiter abbauen.

Alain Oberhuber, Leiter Research von Mainfirst, erwartet ebenfalls Kontinuität. «Mittelfristig könnte Nestlé einen Verkauf erwägen, aber nur, wenn der Erlös sinnvoll investiert werden kann.» Dies könnte der Bereich Nutrition bieten, etwa der entsprechende Geschäftsbereich von Abbott.

Die Analysten von Kepler Cheuvreux gehen ebenfalls von keiner Änderung aus. Den Grund sehen sie in Nestlés Fokus auf den Sparten Consumer Health und Nutrition. Eine Erhöhung des Anteils am Kosmetikriesen L’Oréal würde sich kaum mit der Strategie in Einklang bringen lassen.

Dass ein Abbau bereits in näherer Zukunft anstehen könnte, begründen andere Stimmen mit dem Engagement des aktivistischen Investors Dan Loeb in Nestlé. Er hält mit seinem Hedge Fund Third Point knapp 1,3% des Nahrungsmittelkonzerns und hat bei seinem Einstieg den Verkauf der L’Oréal-Beteiligung gefordert.

Als unwahrscheinlichste Variante beurteilen die meisten Beobachter eine komplette Übernahme von L’Oréal durch Nestlé. Martin Deboo von Jefferies sieht darin ein zu grosses Risiko. Zudem würde ein solcher Schritt nicht zur Strategie von CEO Mark Schneider passen.