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L’Oréal macht Nestlé Freude

Der Kosmetikkonzern übertrifft 2020 die Erwartungen. Trotz steigendem Wert dürfte Nestlé ihre Beteiligung aber kaum reduzieren.

L’Oréal zeigt in der Krise ihre Onlinestärke: Dank der Erholung in China und wachsendem Umsatz übers Internet ist der weltgrösste Kosmetikkonzern im letzten Quartal 2020 zu Wachstum zurückgekehrt. Im Gesamtjahr lag der Erlös organisch rund 4% niedriger bei knapp 28 Mrd. €, womit die Erwartungen übertroffen wurden. Die Aktien ziehen am Freitagvormittag an – und stabilisieren jene von Grossaktionär Nestlé (NESN 123.80 +1.58%) in einem schwachen Gesamtmarkt.

Der französische Konzern erzielt inzwischen mehr als ein Viertel des Umsatzes über den Internetkanal. Trotz der Massnahmen gegen die Verbreitung von Covid-19 und leicht höheren Werbeausgaben konnte L’Oréal die Betriebsgewinnmarge von 18,6% verteidigen. Unter dem Strich resultierte ein um 5% auf 3,75 Mrd. € gesunkener Überschuss. Daraus soll eine Dividende von 4 € je Aktie gezahlt werden, nach 3.85 € im Vorjahr.

Seit 2014 hält Nestlé noch rund 23% an L’Oréal, davor waren es knapp 30% gewesen. Der Wert der Beteiligung hat sich seither auf 43 Mrd. Fr. mehr als verzweieinhalbfacht und macht mittlerweile allein 15% des Börsenwerts des Nahrungsmittelriesen aus. Immer wieder kamen Stimmen auf, die zumindest einen Teilverkauf der Beteiligung forderten. So unter anderem im Frühsommer 2017, als der aktivistische Investor Dan Loeb mit seinem Fonds Third Point bei Nestlé einstieg. Bisher hielt die Nestlé-Führung am Aktienpaket fest. Sowohl CEO Mark Schneider als auch Präsident und Ex-CEO Paul Bulcke wollten von einem Verkauf nichts wissen.

Die Beteiligung an L’Oréal sei eine wichtige Investition für Nestlé, und der Konzern stehe zum Unternehmen, das im Laufe der Jahre sehr gute Renditen beschert habe. Man habe volles Vertrauen in das Management und die strategische Ausrichtung von L’Oréal. Das liess Nestlé 2018 verlauten, als die Aktionärsvereinbarung zwischen Nestlé und der Familie Bettencourt auslief. Seither wären die Vertragspartner frei, über ihren Aktienanteil zu verfügen.

Auch im Nachgang der besser als erwartet ausgefallenen Zahlen für 2020 kommt das Thema nun wieder auf den Tisch: Laut dem Analysten der Zürcher Kantonalbank, Patrik Schwendimann, könnte der Schweizer Konzern angesichts der gestiegenen Bewertungsdiskrepanz der L’Oréal-Beteiligung zumindest einen Teil versilbern und für Übernahmen oder weitere Aktienrückkäufe einsetzen.

Aus Sicht von Nestlé ist dies angesichts ihrer vollen Kassen zurzeit aber kaum wahrscheinlich. Der Nahrungsmittelkonzern erwirtschaftet jährlich einen zweistelligen Milliardenbetrag und wird demnächst aus dem Verkauf des US-Wassergeschäfts schätzungsweise 5 Mrd. Fr. zusätzlich einnehmen. Auch wenn ein solcher Schritt durchaus zum Ziel von Schneider passen würde, durch Zukäufe, Investitionen und eine aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik den Aktienwert weiter zu steigern.