Blogs / Fintech 11:40 - 10.04.2017

Lufax zeigt Chinas Fintech den Weg

Ernst Herb
Die P2P-Onlinebank ist zur ernsthaften Konkurrenz für die etablierten Institute geworden und steuert auf den grössten Börsengang des Jahres zu.

«Das Online-Geschäftsmodell funktioniert sehr wohl, es kann allerdings sehr gut möglich sein, dass Ihre Internetplattform ein Flop ist», sagte diese Woche James Zheng, der Finanzchef von Lufax, der führenden chinesischen internetgestützten Peer-to-Peer-Kreditplattform (P2P), einem von Investoren, Bankern und Unternehmern zusammengesetzten Publikum.

Als Beispiel führte Zheng den amerikanischen Onlineriesen Amazon (AMZN 907.3744 0.98%) an, dessen jährlicher Umsatz dem der sieben grössten US-Einzelhandelsketten entspricht, die alle selbst schon längst Waren auch über das Internet vermarkten. Dass sie bisher aber nicht zu Amazon aufschliessen konnten, habe nichts mit fehlendem Know-how, sondern mit dem Mangel an Kundendaten zu tun.

Gerade hier liegt aber die Stärke von Lufax, eine Tochter der Ping An Group. Der mit einer Marktkapitalisierung von 778 Mrd. HK-$ (100 Mrd. $) grösste kotierte chinesische Versicherungskonzern zählt allein in seinem traditionellen Geschäftsbereich 131 Mio. Kunden.

Zusätzlich dazu kommen 346 Mio. Benutzer seiner acht Online-Finanzdienstleister. «Dank dem können wir auf einen enormen Datenschatz zurückgreifen und ihn in kurzer Zeit verarbeiten», führte Zheng an einer von der Credit Suisse (CSGN 15.05 4.3%) veranstalteten Investorenkonferenz aus.

Von den Reichen zu den Armen

Das gerade einmal fünf Jahre alte Unternehmen weist denn auch ein entsprechend rasantes Wachstum auf. Die 2016 auf www.LU.com abgewickelten Finanztransaktionen lagen mit insgesamt 5,7 Bio. Yuan ( 750 Mrd. $) 280% höher als im Jahr zuvor.

Die Dynamik im Kerngeschäft wird vor allem auch von der sehr zurückhaltenden Kreditvergabe der traditionellen Banken an Privatkunden angetrieben. Das trifft insbesondere auf Geringverdiener in ärmeren Gegenden zu.

Das macht sich etwa dadurch bemerkbar, dass zwei Drittel der von Lufax vermittelten Kredite aus der reichen Ostküste stammen und in die  weniger entwickelten Gegenden im Westen des Landes fliessen.

Auch Schnelligkeit ist gemäss Zheng ein wichtiger Wachstumsfaktor. Mit Sicherheiten hinterlegte Kredite werden innerhalb von fünf Minuten, ungesicherte innerhalb von 24 Stunden erteilt. Traditionelle Banken benötigen für solche Transaktionen oft mehre Wochen.

Die Branche konsolidiert sich

Die P2P-Plattformen fördern wie von der Regierung gewollt den Konsum gerade auch in ländlichen Gebieten. Nach Meinung des Lufax-Finanzchefs ist die Branche gerade deshalb in kurzer Zeit zu einem ernsthaften Konkurrenten der traditionellen Finanzdienstleister geworden. Dabei befindet sich nicht nur sein Unternehmen, sondern der gesamte chinesische Fintech-Sektor weiterhin im rasanten Wandel.

Lufax etwa will nicht nur vermehrt im Wealth-Management-Geschäft, sondern auch ins Ausland expandieren. Vor allem findet eine Konsolidierung der ganzen Branche statt. Mitte 2016 gab es in China 4000 P2P-Plattformen, wobei viele keinen Gewinn machten oder in Skandale verwickelt waren.

Dagegen sind die Aufsichtsbehörden mittlerweile mit höheren Compliance-Anforderungen eingeschritten. Zheng geht davon aus, dass es bis Ende des laufenden Jahres noch 200 bis 300 P2P-Banken geben wird.

Geschätzter Wert von 18 Mrd. $

Trotz des Erfolgs steht der chinesischen Fintech-Branche der grosse Härtetest noch bevor. Zheng weist darauf hin, dass sie weiterhin in ihrem ersten Kreditzyklus steckt. Doch Lufax dürfte dank ihrer starken Marktposition und dem Rückhalt der Mutter zukünftige mögliche Umsatzeinbrüche besser meistern als die kleineren Konkurrenten.

Als sich Lufax Anfang 2016 neues Kapital im Wert von 1 Mrd. $ beschaffte, wurde der Wert des Unternehmens auf 18 Mrd. $ geschätzt. Mittlerweile ist bekannt geworden, dass die Gesellschaft einen Börsengang in Hongkong anstrebt.

Zheng hat dies an der Credit-Suisse-Konferenz bestätigt, doch wollte er sich dabei nicht auf einen genauen Zeitpunkt festlegen. Es wird erwartet, dass das IPO dem Unternehmen 5 Mrd. $ in die Kasse spülen wird. Damit wäre das der wahrscheinlich grösste Börsengang in Hongkong im laufenden Jahr.