Meinungen

Luft nach unten

Zum vierten Mal ist der Nasdaq dieses Jahr mehr als 4% abgesackt. Und dennoch wiederholen Anleger einen Fehler der Vergangenheit. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Thorsten Riedl.

«Die vergangene Performance sagt nichts über die zukünftige aus.»

Kaum ein Tag ohne Schrecken für Tech-Investoren: Am Mittwoch ist der Nasdaq Composite mehr als 4% abgesackt, das vierte Minus dieser Höhe 2022. Klar, liegt es auf der Hand, Parallelen zur Vergangenheit zu suchen, in der Hoffnung, das Ende des Übels vorauszusehen. Doch beim Platzen der Dotcom-Blase war einiges anders.

Viele sind nun widerstandsfähig

Der grösste Unterschied zum März 2000, als die Luft aus der Spekulationsblase rund um Technologiewerte entwich: Inzwischen gibt es jede Menge Unternehmen in der Branche, die ein verlässliches, widerstandsfähiges und höchst profitables Geschäftsmodell haben – Amazon, Apple oder Google-Mutter Alphabet zählen hierzu.

Noch eine Verschiedenheit gibt es leider. Im Vergleich zum Hoch vergangenen November hat der Nasdaq Composite gerade mal 30% verloren. Vor 22 Jahren lag das Minus bei 80%. Dazu büsste der Index 2000 und 2001 an 21 Tagen jeweils mehr als 5% ein.

Die Historie lehrt nichts

Das alles deutet auf Luft nach unten hin. Viele wiederholen aber einen Fehler aus der Dotcom-Ära. Sie vergleichen aktuelle Tiefstände mit Höchst von vor ein paar Monaten. Doch die Welt hat sich gedreht: Wir haben Krieg, der die Welt belastet, eine auslaufende Pandemie, reale Inflation, Lieferprobleme, steigende Zinsen.

Dass Ex-Börsenlieblinge wie PayPal, Netflix, Shopify oder Palantir in wenigen Monaten je mehr als drei Viertel an Wert verloren haben, heisst nicht, dass sie nun günstig sind. Die vergangene Performance sagt nichts über die künftige aus. Heute wie vor zwei Dekaden erleben wir einen Neustart der Bewertungen – der noch nicht abgeschlossen ist.