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Lufthansa und Swiss erneut mit Milliardenverlust

Die deutsche Fluggesellschaft leidet zusammen mit ihrer Schweizer Tochter nach wie vor stark unter der Krise.

(Reuters/AWP) Die Lufthansa (LHA 10.84 +3.69%) ist im dritten Quartal wegen der Coronakrise noch tiefer in die roten Zahlen geflogen. Von Juli bis September fiel unter dem Strich ein Verlust von 2 Mrd. € im Vergleich zu 1,15 Mrd. € Gewinn im Vorjahreszeitraum an, wie die Airline am Donnerstag mitteilte.

Der Umsatz brach wegen der Reisebeschränkungen um 74% auf 2,7 Mrd. € ein. Im Gesamtjahr wuchs der Fehlbetrag damit auf 5,6 Mrd. €. Die Lufthansa musste in der Krise mit 9 Mrd. € Finanzhilfen von Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien vor einer Insolvenz bewahrt werden.

Der Konzern stemmt sich mit Kurzarbeit und Kostensenkungen durch Personalabbau gegen die Krise. Dadurch soll der Abfluss von Barmitteln im vierten Quartal auf 350 Mio. € im Monat begrenzt werden.

Auch Tochter in den roten Zahlen

Die Schweizer Tochtergesellschaft Swiss ist derweil ebenfalls tief in den roten Zahlen gelandet. Operativ flog sie einen Verlust von 414,7 Mio. Fr. Franken ein nach einem Gewinn von 489,6 Mio. im Vorjahreszeitraum.

Der Umsatz stürzte um 62% auf 1,54 Mrd. Fr. ab, wie die Swiss am Donnerstag in einem Communiqué bekannt gab. Schuld ist die Coronapandemie, wegen der zeitweise 95% der Flotte am Boden stand. Zwar konnte die Swiss ihr Angebot in den Sommermonaten sukzessive und stärker wiederaufbauen als erwartet. Zunehmende Reiserestriktionen haben die sich anbahnende Erholung jedoch ab Mitte August wieder ausgebremst.

«Angesichts des lähmenden Effekts, den die vielfältigen Quarantänebestimmungen in den letzten Monaten auf das Buchungsverhalten unserer Kunden hatten, entspricht das operative Ergebnis unseren Erwartungen», erklärte Finanzchef Markus Binkert im Communiqué. In den ersten neun Monaten beförderte die Swiss insgesamt 4,3 Mio. Passagiere. Das sind knapp 70% weniger als in der Vorjahresperiode.

Dank eines sehr strikten Cash- und Kostenmanagements habe die Swiss jedoch im dritten Quartal, den Mittelabfluss verringern können. «Trotz des äusserst schwierigen Marktumfeldes sind wir bezüglich des Bankenkredits auf Kurs. Die Liquidität ist damit nicht gefährdet», erklärte Binkert.

Erster Jahresverlust seit langer Zeit

Angesichts des neuerlichen Anstiegs der Coronafälle in der Welt und der damit verbundenen Verschärfung der globalen Reiserestriktionen dürfte die Nachfrage im vierten Quartal weiter sinken. «Daher wird sich der Verlust bis Jahresende voraussichtlich weiter erhöhen. Zum ersten Mal seit 15 Jahren wird die Swiss das Geschäftsjahr mit einem negativen Ergebnis abschliessen», heisst es in der Mitteilung.

Swiss schreibt Milliardenverlust. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Die Airline habe ein Restrukturierungsprogramm lanciert, um den staatlich garantierten Corona-Bankenkredit schnellstmöglich zurückzahlen zu können und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Unter anderem würden weiterhin sämtliche nicht betriebsnotwendigen Projekte und Investitionen ausgesetzt.

Abbau von rund 1000 Stellen

Zudem will die Swiss die Personalkosten drücken mittels Einstellungsstopp, Teilzeitmodellen mit Lohnverzicht sowie frühzeitigen Pensionierungen. «Zusammen mit der natürlichen Fluktuation können auf diese Weise in den kommenden zwei Jahren rund 1’000 Stellen abgebaut werden», hessit es. Man führe auch für weitere Kostensenkungsmassnahmen Gespräche mit den Sozialpartnern. Details nannte die Swiss nicht.

Ausserdem würden die 28 Flugzeuge der älteren Airbus (AIR 99.00 +2.48%) A320-Familie im Winterflugplan temporär ausser Betrieb genommen. Im Winter werde auf der Kurz- und Mittelstrecke ausschliesslich mit den effizienteren Airbus A220-Flugzeugen und den Airbus A320 Neo geflogen.

Den Winterflugplan musste die Swiss wegen der Reisebeschränkungen und Quarantänebestimmungen deutlich zusammenstreichen. Aktuell geht die Airline davon aus, maximal 25% ihrer Vorjahreskapazität anbieten zu können.