Unternehmen / Ausland

Lufthansa fliegt aus der Verlustzone

Die deutsche Fluggesellschaft übertrifft die Erwartungen und erzielt wieder einen operativen Gewinn. Auch die Swiss schreibt Gewinn.

(Reuters) Bei der Lufthansa (LHA 6.8200 -4.33%) stehen die Zeichen auf Erholung von der historisch schwersten Krise der globalen Luftfahrt. Entgegen der Erwartung von Analysten schrieb der Konzern im abgelaufenen Sommerquartal schwarze Zahlen, zumindest operativ. Damit habe die Airline-Gruppe einen weiteren Meilenstein auf dem Weg aus der von der Corona-Pandemie ausgelösten Krise erreicht, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Die gestiegene Nachfrage nach Ferienflügen in Europa, ein Anspringen der Geschäftsreisen und der Rekordgewinn bei der Frachttochter Lufthansa Cargo sorgten für den ersten Mini-Betriebsgewinn von 17 Mio. € nach anderthalb Jahren hoher Verluste. «Die positive Entwicklung wird sich weiter fortsetzen», sagte Spohr. Nach einer Halbierung des Betriebsverlusts 2021 auf gut zweieinhalb Mrd. € werde der Konzern im Jahr 2022 wieder profitabel.

Analysten https://investor-relations.lufthansagroup.com/fileadmin/downloads/en/financial-reports/consensus/LH-final-consensus-Q3-2021.pdf hatten im Schnitt noch mit einem operativen Verlust von 33 Mio. € gerechnet, da die Lufthansa stärker als andere Fluggesellschaften von der Rückkehr von Geschäftsreisen abhängig ist. Lufthansa-Aktien stiegen nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen um mehr als fünf Prozent. Ohne die hohen Kosten für Programme zum Personalabbau erzielte der MDax-Konzern einen operativen Gewinn von 272 Mio. €.

In den Sommermonaten erholte sich der Luftverkehr in Europa dank schwindender Corona-Reisebeschränkungen spürbar, sodass die Tochter Eurowings überraschend einen Betriebsgewinn von 108 Mio. € erzielte. Auch die zum Konzern gehörenden Airlines Swiss und Austrian verbuchten Quartalsgewinne, die Kernmarke Lufthansa schrieb dagegen rote Zahlen. Auf Rekordkurs ist die Frachttochter Lufthansa-Cargo zu mehr als einer Milliarde Euro Betriebsgewinn im Jahr. Die Nachfrage nach Luftfracht ist wegen der Engpässe in der Schifffahrt und Störungen globaler Lieferketten hoch, das Kapazitätsangebot aber weiter knapp, deshalb steigen die Frachtpreise. «Ein Ende der Erfolgsserie ist derzeit nicht absehbar», sagte Spohr. Die günstige Angebot-Nachfrage-Kluft bleibe wahrscheinlich über 2022 hinaus bestehen.

Lufthansa sieht sich im Steigflug

Auch Europas führender Billigflieger Ryanair und Air France (AF 4.1580 -1.09%) KLM waren im Sommerquartal erstmals wieder profitabel gewesen. Ryanair schaffte sogar einen Nettogewinn, während Lufthansa unter dem Strich 72 Mio. € Verlust machte. Die zwölf Airlines der Lufthansa-Gruppe beförderten von Juli bis September 19,6 Mio. Passagiere. Das entsprach knapp der Hälfte des Vorkrisenniveaus. Der Umsatz war mit 5,2 Mrd. € fast doppelt so hoch wie vor Jahresfrist.

Die Neubuchungen hätten schon im September rund 80% des Vorkrisenniveaus erreicht, auch auf den lukrativen Transatlantikrouten, erklärte Spohr. «Die Buchungszahlen steigen und steigen.» Denn ab dem 8. November lassen die USA Reisende mit Covid-Impfung wieder ins Land. Trotzdem bleibt die Lufthansa bei der Jahresprognose von nur 40% der Vorkrisenkapazität. Im kommenden Jahr soll diese auf 80% ab Sommer steigen, sodass im Gesamtjahr 2022 mehr als 70% der Sitzplatzkapazität von 2019 angeboten werden. Das sei eine vorsichtige Planung, erklärte Spohr. Die Lufthansa bleibe wegen der Unsicherheit durch Corona flexibel, sich in beide Richtungen anzupassen. Ein Bremsklotz ist noch die weitgehende Abschottung Chinas, das ein Viertel des Langstreckengeschäfts ausmacht. Hier erwartet der Lufthansa-Chef ein Ende der Reisebeschränkungen nicht vor Mitte 2022.

Noch mehr Personalüberhang von 3000 Beschäftigten

Die Lufthansa kommt mit dem Personalabbau in Deutschland und dauerhaften Kostensenkungen voran, denn die Beschäftigten nehmen Abfindungen und Altersteilzeit stärker an als erwartet. In diesem Jahr haben 4000 Arbeitskräfte das Unternehmen schon verlassen, 3000 weitere haben entsprechende Vereinbarungen getroffen. Es gebe damit noch einen Personalüberhang von rechnerisch bis zu 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Deutschland, erklärte die Airline. Zuletzt zählte Europas grösste Airline-Gruppe noch 107.000 Beschäftigte, vor der Corona-Krise waren es knapp 140.000. Mittlerweile seien die jährlichen Kosten um dauerhaft 2,5 Milliarden Euro gesenkt, angepeilt werden 3,5 Milliarden.

Das zweite Quartal in Folge verbrannte die Lufthansa kein Geld mehr, sondern erzielte 13 Millionen Euro Barmittel. Der MDax-Konzern kann nach der Kapitalerhöhung im Oktober bald ohne die milliardenschwere Staatshilfe auskommen, ohne die er pleite gegangen wäre. Die Lufthansa musste mit neun Milliarden Euro Finanzhilfen von Deutschland, der Schweiz, Österreich und Belgien in der Corona-Krise gestützt werden. Der deutsche Staat sprang als Grossaktionär ein. Die Lufthansa brauchte aber nur einen Teil des Geldes. Bis Jahresende und damit schneller als erwartet will Finanzchef Remco Steenbergen die deutsche Staatshilfe tilgen.


Swiss schreibt im dritten Quartal einen kleinen Gewinn


Die Fluggesellschaft Swiss steckt im Jahr 2021 nach neun Monaten noch immer tief in den roten Zahlen. Allerdings hat sich die Lage für die Lufthansa-Tochter im Vergleich zum ersten Halbjahr deutlich entspannt. Im dritten Quartal erzielte sie operativ gar einen kleinen Gewinn.

Nachdem die Swiss im Winter wegen erneuter Coronaeinschränkungen beim Reisen äusserst verhalten ins Jahr gestartet war, hat sich die Geschäftslage im weiteren Jahresverlauf stetig verbessert. Bereits im Frühjahr habe eine leichte Nachfrageerholung eingesetzt, die sich in den Sommermonaten noch verstärkte, schreibt die Swiss am Mittwoch in einem Communiqué.

Im dritten Quartal nahm die Reisetätigkeit weiter signifikant zu: Im Juli verzeichnete die Swiss einen Passagierzuwachs von 88%, im August von 124% und im September hat sich die Passagierzahl gegenüber dem Vorjahr sogar verdreifacht. Die Vergleichszahlen sind allerdings sehr niedrig, weil die Schweiz und die Welt vor einem Jahr vor einer weiteren, schweren Coronawelle standen.

Wachstum und Gewinn im Q3

Die Lust der Schweizerinnen und Schweizer nach Strandferien im Herbst schlug positiv auf die Ergebnisse der Swiss durch. Im saisonal traditionell starken dritten Quartal kletterte der Umsatz der Swiss 91% auf 707,8 Mio. Fr. Und operativ resultierte gar ein kleiner Gewinn von 6,7 Mio. Fr.

Es ist das erste positive Betriebsergebnis für die Swiss seit Ausbruch der Coronakrise. In den Sommermonaten sei es gelungen, die erhöhte Kapazität am Markt abzusetzen und die Kosten weiter zu senken, wird Finanzchef Markus Binkert in der Mitteilung zitiert. Zugleich blieb die Frachtnachfrage sehr stark.

Die Swiss baute im Sommer ihr Angebot für Flugpassagiere auf 55% der Kapazität aus der Vor-Corona-Zeit aus. Gleichzeitig seien die Massnahmen des Restrukturierungsprogramms «reach» eingeleitet worden. So wurde etwa die Langstreckenflotte verkleinert und fünf Airbus (AIR 115.88 -0.75%) A330 Maschinen temporär in den Langzeitparkmodus überführt. Und auch die Verkleinerung der Kurzstreckenflotte habe man an die Hand genommen.

Mit dem «reach»-Programm will die Swiss dauerhaft rund 500 Mio. Fr. einsparen. Von der niedrigen Kostenbasis verspricht sich Swiss-Chef Dieter Vranckx mehr Flexibilität bei der Ertragssteuerung. Und zudem werde die Swiss voraussichtlich nicht mehr als die Hälfte ihres Bankenkredits von 1,5 Mrd. Fr. in Anspruch nehmen und diesen vor Ablauf der Laufzeit zurückzahlen.

Weiter Weg der Erholung

Der Weg zurück zu Normalität im Flugverkehr ist aber noch weit. In den ersten neun Monaten beförderte die Swiss 3,7 Mio. Passagiere. Das sind 15% weniger als im Vorjahr. Ebenso stark sank die Zahl der durchgeführten Flüge.

Der Umsatz der Swiss fiel in den Monaten Januar bis September um 11% auf 1,37 Mrd. Fr. zurück. Das ist immer noch deutlich weniger als vor der Coronakrise 2019, als sie in derselben Periode einen Umsatz von gut 4 Mrd. eingeflogen hatte.

Auf operativer Ebene verblieb nach neun Monaten ein betrieblicher Verlust von 391 Mio. Fr. nach 415 Mio. im vergangenen Jahr.

Auch im Gesamtjahr 2021 rechnet Finanzchef Binkert mit einem «beträchtlichen Verlust». Im laufenden vierten Quartal werde es für die Swiss saisonbedingt nicht möglich sein, an die positiven Zahlen des dritten Jahresabschnitts anzuknüpfen, gibt er zu bedenken.

Viel verspricht sich die Fluggesellschaft von der angekündigten Öffnung des Reisemarkts USA. «Wir gehen davon aus, dass wir unser Angebot im kommenden Jahr auf mindestens 70% von vor der Krise erhöhen können», ist Binkert optimistisch.