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Lufthansa-Aktionäre winken Rettungspaket durch

An der Hauptversammlung der Swiss-Mutter stimmen rund 98% der Eigentümer für die staatlichen Stützungsmassnahmen.

(Reuters) Nach einer wochenlangen Zitterpartie ist die staatliche Rettung der Lufthansa (LHA 7.288 -3.65%) vor einer durch die Corona-Krise verursachten Pleite beschlossene Sache. Die Aktionäre gaben am Donnerstag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung grünes Licht für das bis zu 9 Mrd. € schwere Finanzpaket des Bundes. Sie stimmten mit einer Mehrheit von 98,04% für eine Kapitalerhöhung, mit der der Bund mit 20% bei der Fluggesellschaft einsteigt, wie Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley sagte. Die Lufthansa-Aktie baute nach der Abstimmung ihre Kursgewinne im Späthandel aus und stieg um 9,1% auf 10.47 €.

Die Lufthansa-Spitze hatte bei den Aktionären auf der ausserordentlichen Hauptversammlung für das staatliche Rettungspaket geworben. «Wenn Sie zustimmen, kann die Lufthansa an frühere Erfolge anknüpfen, es wird dann keine Insolvenz geben», sagte Präsident Kley am Donnerstag. Ohne Unterstützung drohe der Airline in den nächsten Tagen die Pleite, bekräftigte Kley in der virtuell abgehaltenen Versammlung. «Wir haben kein Geld mehr.»

Vorstandschef Carsten Spohr kündigte an, die Lufthansa müsse effizienter und agiler werden. «Auch schmerzhafte Personalmassnahmen werden wir umsetzen müssen.» Die Zustimmung zum staatlichen Rettungspaket sei wegweisend. «Es ist ohne Zweifel ein historischer Moment für unser Unternehmen.»

Lufthansa hatte rechtzeitig vor der Hauptversammlung die grössten Hürden für eine Rettung aus dem Weg geräumt. Grossaktionär Heinz Hermann Thiele signalisierte in einem Interview, dass er das mit der Bundesregierung ausgehandelte Sanierungspaket trotz anfänglicher Bedenken nicht blockieren werde. «Ich werde für die Beschlussvorlage stimmen», sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Das trieb die Lufthansa-Aktie bis zum Mittag um rund 12% nach oben. Zudem gaben die EU-Wettbewerbshüter am Donnerstag grünes Licht für die Staatshilfen. Mit der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verständigte sich die Lufthansa auf ein Sparpaket, das bis Ende 2023 ein Einsparpotenzial von mehr als 500 Mio. € hat – etwa durch einen Verzicht auf Lohnerhöhungen und reduzierte Flugstunden. Damit könnten betriebsbedingte Kündigungen für die 22’000 Kabinenmitarbeiter für den Zeitraum der Krise vermieden werden, erklärte die Lufthansa.