Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nachhaltig investieren
Luftikus

Der Luftikus

Miiltärische Sperrzone für ESG

Was tun, wenn einem der Zeitgeist zusätzlichen Aufwand abverlangt? Diese Frage müssen Vermögenserwalter weltweit beantworten, seidem Konsumenten und Aktionäre (und zunehmnd auch Regulatoren) von ihnen fordern, sie mögen doch bitte nachhaltiger investieren. Manche – die Genfer Privatbank Lombard Odier oder Impact-Spezialistin Blue Orchard kommen mir in den Sinn – haben früh Nägel mit Köpfen gemacht. Sie profitieren heute von der so aufgebauten Glaubwürdigkeit.

In den allermeisten Fällen lief es allerdings anders: Man hat einfach aus der Not eine Tugend gemacht. Das Resultat heisst ESG Integration und ist mit 25 Bio. $ die mit Abstand beliebteste Methode des nachhaltigen investierens, wie die Investmentbank Morgan Stanley (MS 101.25 -1.22%) in einer Studie schreibt. Abgeschlagen auf dem zweiten Platz folgt der Ausschluss nicht genehmer Investments. So werden global 15 Bio. $ verwaltet.

ESG Integration ist nach meinem Dafürhalten deshalb die billige Lösung, weil sie ohnehin Selbstverständlichem das Mäntelchen der Nachhaltigkeit umhängt. Denn sollte nicht eigentlich jeder seriöse Investor gute Unternehmensführung ebenso berücksichtigen wie das Verhältnis gegenüber der Gesellschaft und gegenüber der Natur? Die Asbestskandale und die Bussen für Tabakkonzerne oder jüngst die Treibjagd auf die kotierten Opioid-Dealer und die Probleme der Credit Suisse (CSGN 9.06 +0.31%) zeigen überdeutlich, wie relevant sowas für den Aktienkurs sein kann.

Abgesehen davon, dass die Integration von ESG-Kriterien also gar kein Unterscheidungsmermal sein sollte, macht sie fast alles möglich. Darüber dass Unternehmen wie Facebook (FB 330.56 +2.4%), Amazon (AMZN 3'523.16 -0%) oder Google in vielen ESG-Fonds zu den grössten Positionen gehören, habe ich schon einmal geschrieben. Morgan Stanley findet nun, man könnte durchaus auch in Rüstungshersteller oder in Luft- und Raumfahrtaktien investieren. Geht es darum, Triebwerhersteller zur Entwicklung grüner(er) Technologien zu motivieren, sehe ich das durchaus ein. Ähnliches machen Investoren mit einem Engagement-Ansatz ja auch mit der Rohstoffindustrie.

Das Argument, die Lieferanten des US-Militärs seien indirekt Garanten der politischen Stabilität, zieht bei mir aber nicht. Da wiegen die Nuklearwaffen zu schwer, an deren Entwicklung praktisch US-Exponenten des Sektors teilhaben. Statt sich also vom Label der ESG-Integration blenden zu lassen, tun Investoren gut daran, stattdessen auf echte nachhaltige Anlagen zu setzen. Auch Morgan Stanley stellt nämlich fest, dass dezidiert nachhaltig orientierte Investoren ihre ablehnende Haltung gegenüber der Rüstungs- und Luftfahrtindustrie kaum ändern werden.