Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nachhaltig investieren
Luftikus

Der Luftikus

Von aktiven und passiven Nebelgranaten.

Über mangelnde Aufmerksamkeit können sich Anbieter nachhaltiger Fonds nicht beklagen. Das Volumen neuer Gelder bleibt auch nach der Coronakrise konstant hoch. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es laut dem Datenanbieter Morningstar (MORN 277.40 +0.85%) 120 Mrd. €. Das ist ein Zuwachs von 18% gegenüber dem vorhergehenden Quartal. Insgesamt ist mehr als die Hälfte der Neugelder in Europa in Fonds geflossen, die sich auf irgendeine Weise als nachhaltig bezeichnen.

Diese an und für sich erfreuliche Tendenz habe ich auch schon verschiedentlich an dieser Stelle lobend erwähnt. Doch wenn Europa bis 2050 tatsächlich zum ersten klimaneutralen Kontinent werden soll, wie das ehrgeizige Ziel von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen es vorsieht, ist es höchste Zeit, dass verbindliche Standards für den Anlagebereich geschaffen werden. Wie ein Blick auf den Inhalt verschiedener nachhaltiger Fonds zeigt, scheitern sie nämlich nicht selten an ihrem eigenen Anspruch.

Die Nichtregierungsorganisation Greenpeace etwa kommt in einer aktuellen Studie zum Schluss, dass Fonds, die sich als nachhaltig bezeichnen, es trotzdem kaum schaffen, Kapital tatsächlich in eine nachhaltige Wirtschaft zu leiten. So finden sich passive Fonds, die zwar ESG im Namen tragen, aber trotzdem nach wie vor einen Teil ihres Kapitals in fossile Brennstoffe, Bergbau oder Transport investieren. Aber auch aktive gemanagte Fonds kommen nicht besser weg. Statt wie versprochen CO2-Emissionen tatsächlich zu reduzieren, blieben einige Portfolios in Bezug darauf tiefrot.

Als Nebelgranate erweist sich in diesem Zusammenhang nicht zuletzt die oft laxe Auslegung der verschiedenen Anlagestrategien. Wirbt ein Fonds etwa mit einem Best-in-Class-Ansatz oder mit Ausschlusskriterien, zeigt oft erst der Blick darauf, ob sie überhaupt etwas wert sind. Beschränkt sich der Ausschluss auf Investitionen in Atomkraft, umstrittene Waffen und sonstige Kontroversen, profitiert nicht zwingend das Klima davon. Und auch die beste Dreckschleuder einer Branche kann jede Menge CO2 in die Atmosphäre entlassen.

Deshalb bleibt zu hoffen, dass die neue Verordnung zur Offenlegung (SFDR) und die EU-Taxonomie trotz anfänglicher Schwierigkeiten noch zu transparenteren Produkten führen. Sonst könnten sich klimabewusste Anleger womöglich schon bald neue Investitionsziele suchen.