Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nachhaltig investieren
Luftikus

Der Luftikus

Biodiversität ist eine Frage der Perspektive.

Biodiversität ist das nächste grosse Ding im nachhaltigen Investieren. Die Grossbank Credit Suisse (CSGN 5.31 +0.04%) (CS) mischt mit. Sie hat den Rhino Bond der Weltbank strukturiert. Mit 150 Mio. $ soll in Südafrika die Biodiversität verbessert werden, gemessen an einer Zunahme der Population der vom Aussterben bedrohten Spitzmaulnashörner. Die französische BNP Paribas (BNPp 43.47 -1.00%) hingegen zögert laut einer Umfrage des Fondshauses Robeco mit Produkten in dem Bereich und verweist auf die Gefahr von Biodiversity Washing wegen fehlender Messbarkeit. 

Da ist Australien der Zeit voraus. Dort gibt’s den Biodiversity Offsets Payment Calculator. Wer den Lebensraum einer Pflanze oder eines Tieres schädigt, erfährt von dem Tool, wie viel dafür zu zahlen ist. Sind die als «verletzlich» eingestuften Koalabären betroffen, kostet ein Biodiversitätszertifikat 678 $, im Fall einer «kritisch bedrohten» Orchidee sind es 5393 $.

Mit der Quantifizierbarkeit kommt die Handelbarkeit. Und wo Handel mit Kompensationsmassnahmen keimt, ist das Zürcher Unternehmen South Pole nicht weit. Es hat bereits mit Projekten zur Kompensation von Treibhausgasemissionen einen äusserst lukrativen Handel aufgezogen und verkauft auch Biodiversitätszertifikate.

Mit Tieren hat CS nicht immer die besten Erfahrungen gemacht. Ich denke an die sogenannten Thunfisch-Bonds, die CS vor einigen Jahren mit BNP und der russischen VTB platziert hatte. Mit dem Geld hätten in Mosambik unter anderem Thunfischfangschiffe finanziert werden sollen. Der Schuss ging nach hinten los, Banker und Politiker sollen Gelder abgezweigt haben. 2023 folgt die gerichtliche Aufarbeitung. Heute würde man so eine Anleihe als Jelly Bond vermarkten; Jellyfish, also Quallen, sind die Leibspeise von Thunfisch. Seit der Thunfischbestand unter anderem dank der von CS finanzierten Fangschiffe deutlich geschrumpft ist, sind die Quallenpopulationen in den Weltmeeren explodiert.

Auch beim Rhino Bond ist vieles eine Frage der Perspektive. Die Rendite hängt von der Populationszunahme ab. Bei fünf Jahren Laufzeit kann man nur hoffen, dass die Nashornkühe, die laut WWF alle zwei bis vier Jahre ein Junges zur Welt bringen, derzeit reproduktionsfreudig sind. Die Stimmung trüben könnte, dass das südafrikanische Umweltministerium im Februar zehn Spitzmaulnashörner zum Abschuss freigegeben hat. Das Amt erklärte, die Jagd auf Spitzmaulnashörner sei Teil des Biodiversitätsmanagements.