Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nachhaltig investieren
Luftikus

Der Luftikus

Die nachhaltigen 3a-Fonds von CS und UBS sind von herkömmlichen kaum zu unterscheiden.

Nachhaltigkeit trifft voll den Zeitgeist und ist heute auch bei Vorsorgeprodukten nicht mehr wegzudenken. Das haben auch die Vermögensverwalter in den Vorsorgestiftungen der Grossbanken CS und UBS (UBSG 15.05 +0.67%) erkannt und ihr 3a-Fonds­angebot entsprechend angepasst. So wurden Anleger der weit verbreiteten Vorsorgelösungen der Mixta- bzw. der ­Vitainvest-Produktfamilien im vergan­genen Jahr darüber informiert, dass ihre 3a-Wertschrifenvorsorge neu «nach­haltig ausgerichtet» sei. Dafür fielen ­ein­malige Umstellungsgebühren an, ­ansonsten bleibe aber eigentlich alles beim Alten (ATEp 103.30 +3.66%). Was ist also neu?

Konkret bedeutet die Umstellung, dass die bisherigen, herkömmlichen Referenzindizes der Fonds (Benchmarks) auf ESG-Indizes «umgeschaltet» wurden. Für die Positionen in Schweizer Aktien in den Mixta-Produkten wurde also die Benchmark vom klassischen SPI (SXGE 14'009.94 +1.54%) auf den SPI ESG (Total Return) umgestellt. Was heisst das für die Aktienallokation? Nicht viel. Wie im regulären SPI dominieren auch im SPI ESG (TR) Nestlé, Roche GS und Novartis den Index. Indexnähe ist für Fondsmanager das höchste Gut.

Das einzige Selektionskriterium in der ESG-Variante: Wenn ein Unternehmen mehr als 5% des Umsatzes mit Glücksspiel, Pornografie, Alkohol, Gentechnik, Ölsand oder Atomenergie macht, wird es ausgeschlossen. Auch müssen die Gesellschaften ein minimales «ESG-Impact-Rating» erreichen. Da kein einziges SMI-Unternehmen schwergewichtig in diesen problematischen Geschäftsfeldern tätig ist, ist überhaupt kein SMI-Unternehmen vom Ausschluss betroffen. Lediglich kleinere aus dem SPI wie BKW (BKW 101.60 +0.99%) und Romande Energie (HREN 1'140.00 +0.00%) (Atom) oder auch Molecular Partners (MOLN 6.49 +2.04%) und Evolva (EVE 0.0869 -0.11%) (Gentech) sind unerwünscht. Insgesamt ist zwar bis zu ein Drittel der SPI-Firmen ausgeschlossen. Angesichts des relativ kleinen Gewichts dieser Positionen im Gesamt­index hat das – wie gewollt – aber kaum einen Einfluss auf die Portfoliogewichtung und entsprechend auf die gesamte Performanceentwicklung.

Wer mit dieser sehr soften Auslegung von Nachhaltigkeit zufrieden ist oder wem es reicht, lediglich ein, wie UBS es formuliert, «besseres Nachhaltigkeits­profil» zu erzielen, der wird mit diesen auf ESG umgestellten Produkten gut ­bedient. Obendrauf bleibt auch die vergleichsweise hohe Verwaltungsgebühr für diese 3a-Produkte die gleiche. Wer hingegen eine aktivere Selektion von ESG-konformen Anlagen wünscht, muss auf individualisierbare Lösungen ausweichen.