Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nachhaltig investieren
Luftikus

Der Luftikus

Die Pleite von UDI zeigt: Bei erneuerbaren Energien müssen Investoren genau hinschauen.

Im ersten Moment hatte ich fast Mitleid: «Da die Emittentin die Gelder langfristig an Projekte ausgereicht hat, war die Rückabwicklung nicht umsetzbar und die Gesellschaft musste aufgrund der Anordnung der BaFin Insolvenz anmelden.» So steht es in einem Brief an die Anleger der deutschen UDI-Gruppe, der dem Portal Investmentcheck vorliegt.

Seither kommt beinahe täglich wieder eine Meldung von der BaFin zur Einstellung und Abwicklung eines der dreizehn Anlageprodukte mit der Bezeichnung UDI Energie Festzins. Leidtragende sind vor allem die Investoren. Denn als Gläubiger von Nachrangdarlehen stehen ihre Chancen schlecht, ihr Geld wiederzusehen.

«Profitable grüne Ökokraftwerke, regionale Wärmenetze und hochwertige Immobilien» mit bis zu 6,5% Zins versprach UDI. Nun stehen laut Investmentcheck bis zu 200 Mio. € auf der Kippe.

Nach dem Schocker im Brief dann der Strohhalm: Die Gläubiger sollen bis Ende nächster Woche einem Schuldenschnitt zustimmen. Der Restanspruch der Anleger beliefe sich auf einen Bruchteil ihres Geldes. Über 80% sollen laut Investmentcheck hingegen an die neu gegründete ­U 20 Prevent GmbH gehen – ihr Chef, Rainer Langnickel, ist seit wenigen Monaten zufällig auch Geschäftsführer von UDI.

Nun fluten Anwaltskanzleien die Internetportale mit Warnungen, das Angebot nicht anzunehmen und stattdessen zu verhandeln – mit ihrer Hilfe, versteht sich. Darin haben die Juristen Übung, denn UDI ist nicht die erste deutsche Gesellschaft, die Anlegern mit grünen Investitionen rote Zahlen bescherte.

Windreich, Prokon, jetzt UDI – sie alle sammelten als Projektentwickler am kaum regulierten sogenannten grauen Kapitalmarkt Geld. Für die Nachrangdarlehen müssen Emittenten zwar einen Prospekt veröffentlichen, es fand aber keine Substanzprüfung statt. Die Regulierung in dem Bereich ist damit etwa vergleichbar mit jener für sogenannt nachhaltige Finanzprodukte. Der Bundesgerichtshof hat nun die Rechtsprechung zu Nachrangdarlehen verschärft. Aufgrund dessen geht die BaFin gegen UDI vor.

Die Projektentwicklung ist riskant; in der «Pipeline» tummeln sich oft Vorhaben, für die noch keine Bewilligung vorliegt. ­So hört man etwa von einem erfahrenen Investor, der sich an einer Biogasanlage in Italien die Finger verbrannt hat. Zum ­Investitionszeitpunkt war die Anlage angeblich beinahe fertig gebaut, Cash kam dann aber beim Investor keines rein. Die Projekte liegen oft an abgelegenen Standorten. So fällt es weniger auf, wenn aus den Anlagen kein Strom, sondern vielleicht schwarzes Geld grün wieder rauskommt. «Grünes Geld, saubere Rendite», lautet ja auch der Slogan von UDI.

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