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LVMH hat Tiffany im Visier

Der europäische Branchenprimus LVMH überlegt sich einen Kauf des US-Schmuckherstellers. Das hätte Folgen für Richemont und Swatch Group.

LVMH (MC 408.45 -1.58%) hat am Montagmorgen Sondierungsgespräche zur Übernahme des amerikanischen Juweliers und Schmuckwarenherstellers Tiffany bestätigt. Zuvor hatte am Wochenende die Nachrichtenagentur Bloomberg zuerst über das Interesse des französischen Luxusgütergiganten berichtet.

Gemäss LVMH-Mitteilung ist es aber noch offen, ob es zu einer Einigung kommt. Reuters hatte unter Berufung auf Insider gemeldet, dass LVMH mit einer Offerte von 14,5 Mrd. $ an Tiffany herangetreten sei. Es wäre die bislang teuerste Übernahme des weltweit grössten Anbieters von Luxusgütern seit dem Kauf von Christian Dior vor zwei Jahren. LVMH hatte damals 7 Mrd. $ für den Kauf der noch ausstehenden Aktien gekauft.

Höherer Kaufpreis möglich

Ebenfalls offen ist, ob LVMH den Kauf mit einer Barofferte oder mit eigenen Aktien stemmen will. Die Offerte beruht auf einem Preis je Tiffany-Aktie von 120 $. Das entspricht einer Prämie von etwas mehr als 20% gegenüber dem Schlusskurs vom Freitagabend (98.55 $). Die UBS (UBSG 13.025 -0.23%) geht in einer aktuellen Analyse davon aus, dass die Tiffany-Aktionäre den Kaufpreis auf 140 bis 160 $ je Aktie hochtreiben könnten.

Kommt es tatsächlich zu einem erfolgreichen Übernahmeangebot, hätte das Folgen für Richemont (CFR 72.56 -2.18%) und Swatch Group (UHR 247.1 -2.25%). Beide Schweizer Luxusgüterkonzerne fokussieren sich auf Uhren und Schmuckwaren. Während Richemont im Schmuckbereich auf die grossen Marken Cartier und Van Cleef & Arpels setzt, weist Swatch Group seit 2013 den US-Juwelier Harry Winston in seinem Portfolio auf.

Vor allem Swatch Group hat wenig gute Erinnerungen an Tiffany. Der Uhrenkonzern wollte 2007 mit Tiffany eine Zusammenarbeit eingehen, die gemäss den beiden Unternehmen für mindestens zwanzig Jahre anhalten sollte. Swatch Group hätte für Tiffany Uhren herstellen sollen. Die Kooperation scheiterte aus unbekannten Gründen, im April 2017 mussten die Amerikaner Swatch Group einen Schadenersatz von 402 Mio. Fr. zahlen.

Mit der Übernahme von Tiffany könnte LVMH den Umsatz im Bereich Uhren und Schmuckwaren von gut 4 auf gegen 9 Mrd. € mehr als verdoppeln. Damit wären die Franzosen in diesem Bereich grösser als Swatch Group und kämen nahe an Richemont heran.

Dank Übernahme Weltmarktleader 

Gleichzeitig könnte LVMH bei den Schmuckwaren zum Weltmarktleader aufsteigen. Derzeit hat Richemont diese Position inne. Bislang ist der französische Konzern in diesem Bereich hauptsächlich mit der italienischen Marke Bulgari, die 2011 für 5,2 Mrd. $ übernommen wurde, vertreten. In den vergangenen Quartalen war der Bereich Uhren und Schmuckwaren meist den übrigen Geschäftsbereichen punkto Wachstum hinterhergehinkt.

Mit Tiffany will LVMH aber nicht nur das Wachstum ankurbeln, sondern sich den US-Markt weiter erschliessen. Bisher war LVMH weitgehend auf Europa und Asien fokussiert gewesen. In den vergangenen drei Jahren ist der Umsatzanteil der USA von 27 auf 24% zurückgegangen.